Chanukka ist die Zeit, in der das Verborgene sichtbar wird.
Der Zohar lehrt, dass es zu Beginn der Schöpfung ein Licht gab,
das nicht für diese Welt bestimmt war:
das Or HaGanuz, das verborgene Licht.
Ein Licht, so rein und so umfassend,
dass es nicht in einer unvollkommenen Welt bleiben konnte.
Darum wurde es verborgen
–nicht aufgehoben, sondern aufbewahrt.
Und der Zohar sagt weiter:
„Dieses Licht ist für die Gerechten bestimmt
– und es leuchtet in besonderen Zeiten.“
Eine dieser Zeiten ist Chanukka.
Rabbi Jizchak Luria, der heilige ARIzal, offenbart in Etz Chaim und Pri Etz Chaim,
dass an Chanukka ein Licht herabsteigt,
das nicht dem normalen Maß der Welt unterliegt.
Ein Licht, das selbst dort leuchtet,
wo andere Lichter keinen Halt finden.
Darum zünden wir die Kerzen, wenn es draußen dunkel ist.
Und darum dürfen wir dieses Licht nicht benutzen
–sondern nur betrachten.
Der Zohar sagt:
„Wer die Chanukka-Kerzen anschaut, wird von oben gesegnet
und empfängt Licht in seiner Seele.“
Nicht durch Tun.
Nicht durch Verstehen.
Sondern durch Nähe.
Die Kabbalah erklärt das Geheimnis der Kerze:
Der Docht ist der Körper – begrenzt, widerständig.
Das Öl ist unsere innere Arbeit:
Mizwos, Lernen, Hingabe, die leisen Entscheidungen des Alltags.
Und die Flamme ist das g“ttliche Licht,
das nur dort ruht, wo ein Gefäß bereitet wurde.
Der ARIzal schreibt in Pri Etz Chaim:
„Das Licht von Chanukka ist ein sehr hohes Licht,
doch es kann nur dort verweilen,
wo Öl vorhanden ist.“
Ohne Öl – kein Verweilen des Lichts.
Ohne innere Vorbereitung
– kein Gefäß.
Darum fügen wir an jedem Abend eine Kerze hinzu.
Nicht, weil das Licht selbst zunimmt,
sondern weil wir unsere Gefäße erweitern.
Auch die Sprache selbst trägt dieses Geheimnis:
Ner – Kerze
Petilah – Docht
Schemen – Öl
Ihre Anfangsbuchstaben ergeben Nefesch
– Seele.
Die Kerze ist kein Symbol der Seele.
Sie ist ein Abbild der Seele.
Und so heißt es:
„Ner HaSchem nischmat Adam“
– „Die Kerze G“ttes ist die Seele des Menschen“
(Mischlei 20,27).
Der heilige Zohar erklärt:
„Wenn der Mensch das Licht erkennt, erkennt ihn das Licht.“
Chanukka ist eine Einladung,
nicht zu sprechen,
nicht zu analysieren,
sondern zu schauen.
Und vielleicht
–für einen Moment
–zuzulassen,
dass das verborgene Licht uns wiedererkennt.
Möge dieses Licht unsere Seelen reinigen,
unsere inneren Gefäße weiten
und Frieden in uns und in der Welt offenbaren.
A freilich, a lichtige Chanukke Ihnen und Ihrer Familie
