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Das Omer zählen total – Teil 1 – Tages-Zählung und Wochen-Zählung

Das Omer zählen total – Teil 1 – Tages-Zählung und Wochen-Zählung

Die Omer-Zählung bereitet uns auf die Entgegennahme der Thora vor. Der Midrasch erzählt, dass die Thora erst überreicht wurde, als alle Mitglieder des Jüdischen Volkes einander auf eine verträgliche Weise akzeptieren konnten. Vielleicht ist das der Grund, weshalb die Thora kein eindeutiges Datum für Schawuot vermeldet (an Schawuot erhielt das Jüdische Volk die Thora auf dem Berg Sinai).

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Kein festes Datum

Schawuot hängt nicht von einem festgesetzten Datum ab. Erst nach der innermenschlichen Vollkommenheit, die ihre Reifung mit der Omer-Zählung erlangt hat, ist man für den tatsächlichen Empfang der Thora verfügbar. Und das ist die Absicht, der Sinn der Omer-Zählung: in Verträglichkeit erziehen, hineinwachsen, mit als Motto „verbessere die Welt, fange bei Dir selbst an“. Aber wie erfolgt die Zählung generell, wie geht das?

 

Der Umfang der Zählung

Der Talmud erzählt uns hierzu Folgendes: „Es ist ein Gebot, die Tage zu zählen und es ist ein Gebot, die Wochen zu zählen“ (B.T. Menachot 66a). Die meisten Rischonim (Gelehrte zwischen tausend und fünfzehnhundert) sind der Ansicht, dass die Zählung der Tage und Wochen keine getrennte Mizwot seien, sondern EIN GANZES bilden.

 

Zwei Berachot

Rabbejnu Jerucham (1290-1350, Toledo) ist jedoch der Meinung, dass die Zählung von Tagen und Wochen zwei getrennte Mitzwot bilden und laut seinen Worten scheint es so zu sein, dass man während des Bestehens des Tempels in der Tat ZWEI Berachot während der Omer-Zählung gesprochen hatte,

 

  • EINE über die Tages-Zählung und
  • EINE über die Wochen-Zählung.

 

Selbst laut denjenigen, die meinen, dass die Omer-Zählung (der Tage und der Wochen) nur EIN Gebot sei, besteht die Omer-Zählung zweifelsohne aus zwei Komponenten – Tage und Wochen.

 

Die Zählung mit Hebräischen Buchstaben

Bei den Acharonim (Gelehrte von 1500 bis heute) wurde viel über die Frage diskutiert, ob man zählen kann, indem man die Buchstaben des Hebräischen Alphabets benutzt (jeder Buchstabe des Hebräischen Alphabets hat einen Zahlenwert). Hat man seine Pflicht erfüllt, indem man wie folgt zählt: „heute ist der Tag A(lef)…-heute ist der Tag B(ejt) usw.? Die Halacha besagt, dass es nicht ganz klar oder sicher ist, ob man seine Pflicht erfüllt hat, indem man mittels des Alphabets gezählt hat. Das Beste sei, dann wieder aufs Neue zu zählen, aber ohne Beracha. War man nicht mehr im Stande, die „Alphabet-Zählung“ noch am gleichen Tag zu berichtigen, dann ist es trotzdem erlaubt, die nächsten, folgenden Tage, MIT Beracha zu zählen.

 

Die Art, auf die gezählt werden sollte

Man kann seinen Gedanken auf unterschiedliche Arten äußern oder formulieren:

 

         *indem man spricht,

         *mit dem Denken,

         * jemand Anderen für sich sprechen lassen

           (schome’a ke’one: hören ist wie aussprechen) und

         *durch zu schreiben.

 

Alle diese Arten, sich zu äußern, sind Bestandteile von Diskussion oder Gedankenaustausch in der halachischen Literatur bezüglich der Omer-Zählung. Zählen macht man normalerweise mit Worten. Ob man auch in Gedanken zählen kann, hängt im Talmud (B.T. Berachot 20b) von der Frage ab, ob Denken mit Sprechen (hirhur kedibbur) gleichgesetzt werden kann oder nicht. Im Talmud handelt es sich um die Frage, ob man die Mitzwa des SCHEMA in Gedanken erfüllen kann und die Entscheidung lautet, dass Denken nicht dem Sprechen gleichwertig sei. Deshalb vermerkt Rabbi Chiskia da Silva (achtzehntes Jahrhundert), dass man bei der Omer-Zählung die Mitzwa nicht erfüllen kann, indem man nur an die Omer-Zahl denkt.

 

Der Rabbiner Eger

Würde man die Omer-Zählung auch durch das Schreiben erfüllen können? Dieses scheint eine seltsame Frage zu sein, aber sie kommt regelmäßig vor. In früheren Zeiten war es üblich, bei einem Brief das Datum der Omer-Zählung im oberen Bereich zu vermerken. Indem man nun kurz nach dem Eintreffen der Nacht das Omer-Datum oben in einem Brief geschrieben hat, darf man danach beim richtigen Omer-Zählen noch eine Beracha aussprechen? Diese Frage führte zu einem Meinungsunterschied zwischen dem berühmten Gelehrten Rabbi Akiwa Eger und seinem Onkel Rabbi Wolf Eger. Hierbei ergab sich das nachstehende Problem: beim Vermerken des Omer-Datums im Briefkopf-Bereich hatte man absolut nicht die Absicht gehabt, die Mitzwa (das Gebot) der Omer-Zählung zu erfüllen. Eine Mitzwa ohne Kawana (die Absicht, die Mitzwa zu erfüllen), heißt eventuell oder wahrscheinlich keine Mitzwa, so dass man danach mit Beracha nochmals verbal das Omer würde zählen können.

 

DAS OMER ZÄHLEN II

 

Kawana (Absicht, Aufmerksamkeit)

Die Frage nach Kawana ist ein viel bedeutenderes Problem. Schon im Talmud wird die allgemeine Frage behandelt, ob die Mitzwot (die Gebote) Kawana erfordern, die Absicht, die Mitzwa zu erfüllen. Rabbi Jossejf Karo (vierzehnhundertachtundachtzig bis fünfzehnhundertfünfundsiebzig) paskent – entscheidet – im Schulchan Aruch (Orach Chajim 60), dass die Tora-Gebote Absicht oder Vorhaben erfordern, aber die Frage, ob Rabbinische Gebote Kawana erfordern oder voraussetzen, bleibt unbeantwortet und ist noch immer ein ungeklärtes Thema zwischen den Acharonim – den späteren Gelehrten.

 

Ohne Kawana die Mizwa erfüllt?

Im Alltag ergibt sich das Problem, ob wohl mit oder ohne Kawana, regelmäßig. Gesetzt den Fall, dass jemand mich fragt: wie viele Tage sollen heute in Hinsicht auf den Omer gezählt werden? Und ich antworte ohne die Absicht, damit eine Mizwa (Gebot) zu erfüllen: „heute sind es so und so viele Tage des Omer“. Habe ich nun die Mizwa erfüllt oder darf ich noch das Omer-Zählen mit Beracha machen?

 

Erfüllt 

Die Psak – die Entscheidung – des Schulchan Aruch (des Jüdischen Gesetzbuches) und der Acharonim (der Gelehrten ab fünfzehnhundert bis heute) lautet: ja, Du hast damit Deine Pflicht bereits erfüllt. Du kannst also danach nicht mehr mit Beracha zählen. Wenn Du also gefragt wirst, welcher Tag des Omer heute sei, sollst Du antworten: Gestern war der so und so viele Tag des Omer“, denn wenn Du die Zählung von heute aussprichst, kannst Du danach nicht mehr mit der Beracha zählen“.

 

Die Zählung unter Vorbehalt

Manchmal würde ich unter Vorbehalt zählen. Ich spreche das Abendgebet in der Synagoge früher, bevor es wirklich Nacht ist. Das geht. Kann ich dann auch schon Omer zählen? Ich befürchte nämlich, dass ich es nach den drei Sternen vergessen könnte. Ich zähle dann vor den drei Sternen unter Vorbehalt. Wenn ich bald das Omer-Zählen vergessen sollte, gilt das Omer-Zählen in der Synagoge als gültige Zählung. Aber wenn ich nach Eingang der Nacht noch zähle, dann gilt die Zählung nach Eingang der Nacht. Auf diese Weise kann man sicher davon ausgehen, dass man seine Pflicht immer erfüllt:

 

–          zählt man nach Eingang der Nacht, dann gilt die Zählung VOR Eingang der Nacht nicht;

–          vergisst man, nach Eingang der Nacht zu zählen, dann zählt das Omer-Zählen in der Schul als Zählung und man hat – bedi’ewed, hinterher – seine Pflicht erfüllt.

 

Ist unter Vorbehalt möglich?

Darfst Du so einen Vorbehalt auch machen? Der Oneg JomTow hat hierzu so seine Bedenken, auch Überlegungen. Er macht zwischen Wille und Absicht (Kawana) einen Unterschied. Deine Wille kannst Du an Bedingungen knüpfen, Deine Kawana jedoch nicht.

 

Willensübereinkunft

Für den Abschluss eines guten Verkaufs Kontraktes ist zum Beispiel eine Willensübereinkunft zwischen Verkäufer und Käufer erforderlich. Etwas, dass vom Willen abhängt, kannst Du an Bedingungen knüpfen. Man könnte auch ein Auto unter dem Vorbehalt kaufen, dass die Bremsen anständig und zuverlässig funktionieren. Es ist jedoch eine Frage, ob man eine Kawana  an Vorbedingungen knüpfen kann, also ob man eine Absicht mit Vorbehalt haben kann.

 

Wille: mit anderen Worten: ob ich etwas will, ist von Umständen oder Gegebenheiten abhängig; ändern sich die Gegebenheiten, ändert sich auch meine Absicht oder Wille. Ich möchte ein Fahrrad mieten, wenn es bloß nicht regnet; regnet es wohl, möchte ich NICHT ein Fahrrad mieten.

 

Die Absicht oder das Vorhaben: eine Kawana ist jedoch etwas Reales, das wohl oder nicht anwesend ist; bei einer Absicht kann man nicht von einem Vorhaben unter Vorbehalt sprechen. Ich schreibe zum Beispiel einen Artikel, um jemand anderem davon zu überzeugen, dass ich Recht habe; ich kann nun schwerlich behaupten, dass, wenn der Artikel nicht überzeugend genug zu sein scheint, ich nie die Absicht gehabt hätte, den Anderen davon zu überzeugen, dass ich Recht habe. Eine Absicht kannst Du nie mit einem Vorbehalt versehen. Deshalb besagt Oneg JomTow, dass es beim Zählen in der Synagoge nicht möglich sei, die Absicht zu haben, dass, indem man nach Nachteingang zu zählen vergisst, das Zählen in der Synagoge als Omer-Zählung gilt.

 

Doppelter Zweifel, zweifacher Zweifel und Schehechijanu 

 

DAS OMER ZÄHLEN

 

Zweifel

Das Problem des Zweifelns besteht in jedem Bereich der Halacha (das jüdische Gesetz). Beim Aussprechen von Berachot sagen wir gewohnheitsgemäß „Safejk Berachot lehakejl“: wenn man zweifelt, ob man eine Beracha sprechen sollte, spricht man KEINE Beracha.

 

tagsüber nachgeholt 

Bei der Omer-Zählung gibt es, verschiedene Arten von Zweifeln zu unterscheiden; manchmal gibt es selbst doppelte Zweifel. Jemand hat zum Beispiel vergessen, abends zu zählen, hat das aber tagsüber nachgeholt. Darf er die restlichen Tage der Omerzeit noch mit einer Beracha zählen? In diesem Fall ist die Rede von „Sfek sfeka“, einem doppelten Zweifel.

 

Zweifacher Zweifel 

Zuallererst besteht der Safek, der Zweifel, ob Du mit der Zählung tagsüber, Deine Mizwa erfüllen kannst; würde die Antwort darauf ja sein, dann ist alles so weit in Ordnung. Er hat seine Mizwa erfüllt und darf die restlichen Tage mit Beracha weiter zählen. Zum Zweiten besteht der Safek, der Zweifel, ob die Zählung von neunundvierzig Tagen EINE große, langgestreckte Mizwa sei oder ob es neunundvierzig unterschiedliche, kurz andauernde Mizwot sind.

 

49 losgelösten Zählungen oder eine große, langgestreckte Mizwa

Wenn die Mizwa aus neunundvierzig losgelösten Zählungen bestehen würde, würde man die restlichen Omer-Tage MIT Beracha zählen können, auch wenn mittendrin EINEN oder mehrere Tage nicht gezählt hätte. Da hier von einem doppelten Zweifel oder „Sfek sfeka“ die Rede ist, haben die Poskim (Gelehrte) bestimmt, dass man mit Beracha weiter zählen darf, wenn man vergessen hatte, abends zu zählen und man dieses am darauffolgenden Tag (bevor Nachteingang) nachgeholt hat.

 

Doppelter Zweifel

Die Omer-Zählung kostet nicht viel Zeit oder Mühe; es ist deshalb gut möglich, dass Du Dich ein Weilchen später selbst fragst, ob Du überhaupt wohl Omer gezählt hast. Wenn der Zweifel noch am selben Tag entsteht, musst Du aufs Neue zählen, aber ohne Beracha (Safejk berachot lehakejl).

 

nächsten Abend zweifeln 

Wenn Du erst am nächsten Abend zu zweifeln beginnst, ob Du am vorhergegangenen Abend wohl Omer gezählt hattest, ist wieder die Rede einer Sfek sfeka, eines doppelten Zweifels: zuallererst der Zweifel bei Dir selbst, ob Du am vorhergegangenen Abend wohl gezählt hattest und zum Zweiten der halachische Zweifel, ob die Mizwa von Sefirat HaOmer nun EINE langgestreckte Mizwa sei oder ob die Mizwa aus neunundvierzig kleinen Mizwot bestehen würde.

 

Der Zweifel am Datum

Wie kann ein Zweifel bezüglich des Datums entstehen? Gesetzt den Fall, man sei auf Safari gegangen und sich weit von der bewohnten Welt befindet. Du weißt jetzt nicht mehr genau, ob es der vierundzwanzigste oder der fünfundzwanzigste Tag von Omer sei. Was solltest Du jetzt machen? Eine einfache Lösung scheint zu sein, um beide Tage mit Beracha zu zählen, den vierundzwanzigsten UND den fünfundzwanzigsten. So hast Du die Gewissheit, dass Du die Mizwa tatsächlich erfüllt hast.

 

Das Zählen ist genaues Wissen

Dewar Araham besagt jedoch, dass wenn Du im Falle bezüglich des richtigen Datums in Zweifel bist, OHNE Beracha zählen solltest. Wieso? Ganz einfach! Zählen bedeutet Genauigkeit und Stimmigkeit. Wenn Du das Datum nicht genau kennst, bedeutet diese Doppelzählung KEINE Zählung. Hierdurch wirst Du auch verstehen können, weshalb Magejn Awraham besagt, dass jemand, der die Bedeutung der Hebräischen Wörter nicht begreift und doch in Iwrith gezählt hat, seine Mizwa nicht erfüllt hat. Viele Gelehrte haben sich gefragt, weshalb Magejn Awraham so entschied. Was ist das Omer-Zählen dann anders als zum Beispiel Kiddusch? Beim Kiddusch gilt, dass Du Deine Pflicht auch erfüllst, wenn Du die Worte des Kiddusch aussprichst, ohne dass Du sie verstehst. Dewar Awraham erklärt jedoch, dass die Mizwa beim Kiddusch das Lesen (Keri’a) sei, während beim Omer-Zählen das Zählen das Wichtigste sei, und Zählen bedeutet (richtig) Wissen.

 

Die Beracha

Weshalb sprechen wir kein „Schehechijanu“ über die Mizwa des Omer-Zählens? Im Allgemeinen sprechen wir doch „Schehechijanu“ über eine Mizwa, die jedes Jahr wieder kommt?!

 

       *Manche Gelehrte antworten, dass wir heutzutage kein „Schehechijanu“ mehr sagen, da das Omer-Zählen laut der Thora nicht mehr Pflicht sei und lediglich durch die Chachamim „Secher lemikdasch“ beibehalten wird, zur Erinnerung an den Tempel.

       *Andere sind der Ansicht, dass „Schehechijanu“ nicht mehr gesprochen wird, da diese Beracha eine Äußerung von Freude sei. Freude sei beim Omer-Zählen nicht angebracht, da die Omer-Zählung uns daran erinnert, dass der Tempel immer noch nicht wieder aufgebaut sei.

 

Eine andere Frage ist, ob man die Beracha „al Sefirat HaOmer“ über das Omer-Zählen selbst sprechen muss oder ob der Chasan diese Beracha vor allen Anwesenden aussprechen darf. Raschba besagt, dass der Chasan das „al Sefirat HaOmer“ vor allen aussprechen darf und alle Anwesenden erfüllen hiermit ihre Pflicht, wenn sie auf die Beracha des Chasan mit „Amen“ antworten. Es ist jedoch zum Brauch geworden, dass jeder die Beracha „al Sefirat HaOmer“ nach dem Chasan für sich selbst spricht.

 

Warum gibt es während der Omer-Zeit unterschiedliche Trauerbräuche?

Während der Omer-Zeit wurde das jüdische Volk von mehreren Tragödien heimgesucht. Die 24.000 Schüler von Rabbi Akiwa starben gerade in der Zeit zwischen Pessach und Schawu’ot einen seltsamen Tod.

 

12.000 Schülerpaare von Rabbi Akiwa

In B.T. Jewamot (62b) wird dies wie folgt beschrieben: „Rabbi Akiwa hatte 12.000 Schülerpaare von Giwat bis Antipras und alle starben genau in dieser Zeit, da sie sich gegenseitig nicht ehrenhaft behandelten. Alle starben einen bemerkenswerten Tod. Laut Rav Nachman war dies Dyfterie im Mund (askara)“.

 

antisemitischen Dekrete

Der Aroch Haschulchan (493:1) fügt hinzu, dass die meisten antisemitischen Dekrete im Mittelalter in Frankreich und Deutschland gerade in dieser Zeit verfasst oder erlassen wurden. Er erklärt auch, dass es andere Gründe dafür gibt, die Omer-Periode als eine Zeit der Trauer zu betrachten.

 

Trauerbräuche

Daher ist es ein alter jüdischer Brauch, während der Omer-Zeit bestimmte Trauerbräuche einzuhalten.

 

  1. Es ist verboten, während der Omerzählung zu heiraten, auch wenn man das erste Gebot der Tora (peru urewu, das Gebot der Fortpflanzung) noch nicht erfüllt hat;
  2. Erlaubt sind jedoch „gesellige“ Zusammenkünfte oder das Anbieten eines Essens anlässlich einer Verlobung, solange es nicht mit Tanzen oder Musizieren verbunden ist (es sei jedoch darauf hingewiesen, dass es nach Ansicht einiger Leute erlaubt ist, das Spielen eines Instruments als Berufsausübung zu beherrschen);
  3. Es ist jedoch verboten, die Haare zu schneiden und den Bart zu rasieren, es sei denn, man rasiert sich täglich und kann nicht unrasiert auf der Arbeit erscheinen (was zu finanziellen Schäden führen würde).

 

Die vier verschiedenen Minhagiem (Gewohnheiten)

Innerhalb der verschiedenen jüdischen Gemeinden haben sich unterschiedliche Bräuche hinsichtlich der Frage ergeben, an welchen Tagen der Omer-Zeit die genannten Bräuche gelten.

 

  1. Der erste Minhag geht davon aus, dass die Schüler von Rabbi Akiwa zwischen dem zweiten Tag des Pessachfestes und fünfzehn Tage vor Schawu’ot starben. Da zwischen dem zweiten Tag des Pessachfestes und Schawu’ot neunundvierzig Tage liegen, gibt es nur vierunddreißig „Trauertage“. Tatsächlich wären die oben genannten Beschränkungen während der gesamten vierunddreißig Tage in Kraft. Dies ist jedoch nicht die ganze Wahrheit.

 

In der Trauerordnung gibt es ein „miktstat hajom kekoelo“, ein pars-pro-toto-Prinzip: „ein Teil eines Tages wird als ganzer Tag gezählt“. So wäre es nach diesem ersten Minhag erlaubt, sich zum Beispiel vom Morgen des vierunddreißigsten Tages bis Schawu’ot zu rasieren. Dies ist die Meinung von Rabbiner Joseef Karo (1488-1577), siehe Shulchan Aruch Orach Chaim (493:2) und die Erklärung der Mischna Berura dazu.

 

  1. Der zweite Minhag ist eine Variation des ersten. Sie geht davon aus, dass die Schüler von Rabbi Akiwa zwischen dem zweiten Tag des Pessachfestes und dem dreiunddreißigsten Tag des Omers starben. Nach dem Pars-pro-toto-Prinzip („ein Teil eines Tages wird als ganzer Tag gezählt“) der oben erwähnten Trauervorschrifte wäre es erlaubt, sich am Morgen des dreiunddreißigsten Tages des Omers zu rasieren. Dies ist die Meinung von Rabbi Moshe Isserles, dem Rema (Orach Chaim 493:2).
  2. Der dritte Minhag besagt, dass die Schüler von Rabbi Akiwa dreiunddreißig volle Tage lang starben. Dieser Minhag geht davon aus, dass Rabbi Akiwas Schüler nur an den Tagen starben, an denen wir das Bittgebet (Tachanun oder Nefilat apajim) sagen. Zieht man von den neunundvierzig Montagen die Tage ab, an denen kein Tachanun gesagt wird, bleiben dreiunddreißig Tage. Die sechzehn Tage, an denen der Tachanun ausgelassen wird, sind:
  3. sieben Tage Pessach
  4. sechs Schabbat-Tage
  5. zwei Tage Rosch Chodesh Ijar und
  6. eines Tages Rosch Chodesh Siwan

 

An einem dieser dreiunddreißig Tage gilt jedoch das Pars-pro-toto-Prinzip („ein Teil eines Tages wird als ganzer Tag gezählt“). Für die Anwendung dieses Prinzips wurde Lag ba’Omer (der dreiunddreißigste Tag) gewählt. Laut diesem Minhag gilt die Trauerzeit nur für dreiunddreißig Tage, verteilt auf die neunundvierzig Tage. Somit erstreckt sich der Trauerzeitraum insgesamt vom zweiten Tag des Pessachfestes bis zum Tag vor Schawu’ot, wurde aber innerhalb dieses Zeitraums nur für dreiunddreißig Tage akzeptiert. Ungeachtet dieser Einteilung innerhalb der Omer-Periode wird Trauer nur an dreiunddreißig aufeinander folgenden Tagen akzeptiert, vom zweiten Tag des Rosh Chodesch Ijar bis zum Tag vor Schawu’ot, mit einer teilweisen Ausnahme für Lag ba’Omer. Die ersten sechzehn Tage der Omerperiode zählen nicht als Trauerzeit. Eine andere Version dieses dritten Minhags erlaubt es, dass die Trauerzeit am ersten Tag von Rosch Chodesch Ijar bis zum Morgen des dritten Tages vor Schawu’ot beginnt. Dies ist die niederländische Minhag.

 

  1. Viele Menschen haben das Minhag nicht während der gesamten Omer-Periode zu rasieren, also vom zweiten Tag des Pessach bis zum Tag vor Schawu’ot (siehe das Sha’aré Teshuva im Namen des Arizal Orach Chaim 493:8).

 

Minhag hamakom

Jeder ist verpflichtet, dem Minhag des Ortes, an dem er lebt, zu folgen. Es ist wichtig, dass alle Juden in einer Gemeinde die gleiche Minhag haben. Rema (Orach Chaim 493:3) besagt, dass man an einem Ort nicht zwei (oder mehr) verschiedene Bräuche einhalten darf, weil dies dem Toraprinzip „lo titgoddoe“ (Dewarim 14,1) widerspricht. Das bedeutet, dass man sich innerhalb des jüdischen Volkes nicht in alle möglichen Untergruppen aufspalten darf. Durch die Beibehaltung unterschiedlicher Gewohnheiten innerhalb einer Gruppe (und erst recht innerhalb eines Wohnortes) scheint es, als ob das jüdische Volk zwei verschiedene Tora‘s hätte. Heute gibt es jedoch in jeder jüdischen Gemeinde, gleich welcher Größe, viele Menschen, die ursprünglich an anderen Orten lebten oder deren Vorfahren von anderen Orten kamen. In Antwerpen zum Beispiel gibt es viele Menschen, die vor, während oder nach dem Zweiten Weltkrieg aus Polen, Russland, Ungarn und anderen Ländern Osteuropas hierher geflohen sind. Einige gehören zu chassidischen Gruppen, andere zu den Jekken oder Litauern.

 

Keine eigene Minhag

Von jeder dieser Gruppen wird erwartet, dass sie ihre eigenen Gewohnheiten beibehalten. Dies widerspricht nicht dem Prinzip „lo titgoddedoe“, da diese Situation mit dem Fall verglichen werden kann, dass es zwei Rabbinalgerichte (Batej-dien) in derselben Stadt gibt. Jeder Bet Din hat das Recht, seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Analog dazu hat jede Gruppe auch das Recht, ihre eigenen Minhagim fortzusetzen, selbst wenn diese Minhagim nicht mit den ursprünglichen lokalen Minhag übereinstimmen (siehe Igrot Moshe, Orach Chajim, Teil I, Par. 159).

 

Was wenn man keine eigene Minhag hat?

Ein Problem, das heutzutage hauptsächlich vorhanden ist, ist die Frage, was man tun soll, wenn man keine eigene Minhag hat. In der heutigen Zeit, in der viele junge Menschen den Weg zum Judentum zurückfinden, können die Gewohnheiten der Eltern oft nicht als Richtschnur dienen, weil die Eltern völlig assimiliert waren oder sind und nichts mehr mit dem Judentum zu tun hatten oder haben. Der Mischna Berura (Orach Chaim 493:17) ist der Meinung, dass man in einem solchen Fall zwischen den verschiedenen Minhagim wählen kann. Wenn man die Einschränkungen verschiedener Minhagim gleichzeitig beachten will (z.B. rasiert man sich zwischen dem zweiten Tag des Pessachfestes und dem Tag vor Schawu’ot gar nicht), ist dies erlaubt, weil man dies tut, weil es Zweifel an den zu folgenden Minhag gibt.

 

Aber wenn Sie die „Erleichterungen“ verschiedener Minhagim kombinieren wollen (nur rasieren Sie sich nicht zwischen Rosh Chodesch Ijar und Lag baOmer zB.), dann ist dies nicht erlaubt (siehe das Biur HaGra Orach Chaim 493:15), weil Sie widersprüchliche Minhagim vereinen wollen und dies bedeutet, dass Sie „keine Minhag behalten“. Eine solche Person wird als „Übertreter“ bezeichnet und verstößt gegen ein Verbot der Chagamim (Weisen).

 

Dennoch ist es erlaubt, eine Chassene (Hochzeit) von Personen zu besuchen, die eine andere Minhag haben. Wenn Sie z.B. den Minhag haben, um die Trauerzeit vom zweiten Tag des Pessachfestes bis zum Lag ba’Omer zu beobachten, und Bekannte den Minhag haben, um die Einschränkungen des Omer nur vom Rosch Chodesh Ijar aus zu beachten (wie viele Jekkes), dann können Sie an der mit Gesang und Tanz gefeierten Chassene (Hochzeit) Ihrer Bekannten teilnehmen (Igrot Moshe, Orach Chaim, Teil I, Par. 159).

 

FRAGE: Darf jemand, der die üblichen Sefira-Beschränkungen nach Lag B’omer einhält, an der Hochzeit einer Person teilnehmen, die diese Beschränkungen nicht mehr einhält?

 

ANTWORT: Rav Moshe Feinstein, zt“l (Igros Moshe O.C. 1:159) vertrat die Ansicht, dass die Mitzwa von simchas chosson v’kallah (sich mit Braut und Bräutigam freuen) Vorrang vor dem Minhag hat, während der Sefira nicht mit Musikinstrumenten zu tanzen und zu singen. Eine ähnliche Meinung wird im Namen von Rav Soloveitchik, zt „l (Nefesh HaRav, S. 192) und Rav Shlomo Zalman Auerbach, zt „l (Halichos Shlomo, Sefiras Haomer 11:19) zitiert. Rav Moshe vertrat jedoch die Ansicht, dass es nicht zulässig ist, sich die Haare zu schneiden oder zu rasieren, da dies nicht direkt zur Freude des Chosson und der Kallah beiträgt (Igros Moshe O.C. 2:95).

 

Intoleranz

Wir trauern nach dem Talmud wegen der Intoleranz innerhalb von Klal Jisraeel. Viele Schüler von Rabbi Akiwa konnten dem großen Grundsatz ihres Lehrers „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst – das ist die Hauptregel der Tora“ nicht gerecht werden. Rabbi Schimon bar Jochai gelang dies auf so außergewöhnliche Weise, dass es dem menschlichen Auge entging. Rabbi Akiwa fügte ihm einmal hinzu: „Sei zufrieden, dass ich und dein Schöpfer deine Größe schätzen“ (J.T. Sanhedrien 1:2).

 

Rabbi Schimon bar Jochai

Rabbi Schimon zeichnete sich in zweierlei Hinsicht aus: Er lernte die Tora mit voller Hingabe und liebte seine Mitmenschen wirklich wie sich selbst. Beide Aspekte dieser Persönlichkeit waren miteinander verflochten. Wenn man die Lehre von G „d ohne Hintergedanken studieren kann (nicht für die Ehre, „kawod oder kowed“ usw.), weil diese von G“tt gegeben wurde, ist man auch in der Lage, sich seinen Mitmenschen ohne Diskriminierung zu nähern, als Geschöpf desselben G“tt. Dies gilt auch für den Schöpfer. Wenn man den Vater liebt, liebt man auch seine Kinder.

 

Hochtrabend?

Vielleicht klingt das für den Durchschnittsbürger ein wenig hochtrabend. Aber unsere Tradition lehrt, dass „einem ernsthaften Willen nichts im Wege stehen kann“. Rabbi Schimon war nicht umsonst ein Schüler von Rabbi Akiwa. Rabbi Akiwa war der Mann der Beharrlichkeit. Vierzig Jahre lang war er ein einfacher Schäfer. Als er Rachel heiratete, wurde er ermutigt, die Tora zu studieren. Aus dem Talmud geht hervor, dass Rabbi Akiwa eine besonders schwierige Zeit hatte, als er sein Torastudium begann. Er war vierzig Jahre alt, völlig ungebildet und von Armut geplagt. Einmal sah er, wie ständig tropfendes Wasser ein Loch in einen harten Felsen gemacht hatte. Er sagte sich: „Der Fels ist hart, das Wasser weich und die Tröpfchen klein. Wenn das Wasser jedoch regelmäßig fällt, bildet es ein Loch im Felsen. Wenn ich ausdauernd und beharrlich bin, werde ich meine Probleme überwinden können“. Was sich auf der intellektuellen Ebene als möglich erwiesen hat, muss auch auf der emotionalen und zwischenmenschlichen Ebene möglich sein.

 

Qualität irrelevant

Meiner Meinung nach ist es kein Zufall, dass die Figur des Rabbi Akiwa im Zentrum des Omerzählens steht. Zählen und Toleranz gegenüber dem anderen sind miteinander verbunden. Ein interessanter Aspekt der Zählung ist, dass die Qualität oder Eigenschaften der gezählten Personen oder Dinge für die Zählung irrelevant sind. Als das jüdische Volk am Anfang des Buches Numeri gezählt wurde, machte es keinen Unterschied, ob die Person sehr wichtig war, vornehm oder gelehrt. Jeder wurde als nicht mehr und nicht weniger als einer gezählt. In unserem Volk finden wir die größten Intellektuellen und die dümmsten Menschen. Wenn wir zum Beispiel einen Minjan (zehn Männer) für unser tägliches Gebet brauchen, macht es keinen Unterschied, ob es zehn intelligente oder zehn einfache Menschen sind. Wenn es neun große Rabbiner gibt, dann füllt ein kleiner Junge, der gerade Bar-Mitswa geworden ist, die erforderliche Zahl aus. Der Midrasch lehrt, dass „wenn nur einer der 600.000 jüdischen Männer bei der Übergabe der Tora gefehlt hätte, wäre die Tora „nicht gegeben worden“.

 

Essenz

Warum ist das so? Denn eines haben wir alle gemeinsam: den Funken G’ttlichkeit, den Neschama oder Neschomme. Und wenn wir in der Lage wären, nur auf diesen wichtigsten Aspekt des menschlichen Wesens zu achten und alle Arten von Widerwärtigkeiten unserer Mitmenschen, die aus den niederen Regionen des Menschen stammen, zu ignorieren, dann können wir zum wahren Achdut (Einheit) kommen. Rabbi Schimon bar Jochai konnte seine Mitmenschen auf diesem hohen Niveau sehen und schätzen. Mit seinem Tod hatte er dieses Lebensideal erfüllt und perfektioniert. Deshalb wird seine Jahreszeit (33. Omer, Lag BaOmer) bis heute für das ganze Volk Israel freudig gefeiert.

 

Vorbereitung auf den Empfang der Tora

Die Omerzählung bereitet uns darauf vor, die Tora zu empfangen. Der Midrasch sagt, dass die Tora nur dann gegeben wurde, wenn alle Mitglieder des jüdischen Volkes einander in einer toleranten Einheit akzeptieren konnten. Vielleicht ist das der Grund, warum die Tora kein klares Datum für Schawu’ot angibt. Schawu’ot ist nicht an ein festes Datum gebunden. Erst nach der zwischenmenschlichen Vollkommenheit in der Omerzählung ist man bereit für den wirklichen Empfang der Tora. Und das ist die Bedeutung des Omerzählungs: in Toleranz aufstehen unter dem Motto „Verbessere die Welt, fange bei dir selbst an“.

 

Stell Dir vor, dass man mitten in der Omerzählung die Datumsgrenze überschreitet und somit einen Tag verliert oder gewinnt.

 

DIE OMERZÄHLUNG UND DIE DATUMSGRENZE

 

„Dann werdet Ihr für Euch selber ab dem Tag nach Schabbat zählen, ab dem Tag, an dem Ihr das Omer der Bewegung erbringt: sieben ganze Wochen sollen es sein; bis zum Tag nach dem siebten Schabbat sollt Ihr zählen, fünfzig Tage“ (Vajikra/Lev. 23:15).

 

Wenn jemand von Ost nach West oder von West nach Ost fliegt, überschreitet er die Datumsgrenze. Wo sich die Datumsgrenze laut der Halacha genau befindet, bildet einen Meinungsunterschied zwischen den Chachamim (den Weisen). Laut manchen befindet sie sich zwischen China und Japan und das war für die Juden im Zweiten Weltkrieg, die mit der Mirrer Jeshiva nach Shanghai geflüchtet waren eine Frage, ob sie die Datumsgrenze laut der Halacha bereits überschritten hatten und sich somit an einem anderen Jüdischen Datum befanden als die örtliche Bevölkerung.

 

Letztendlich wurde aus praktischen Gründen  gemäß der zweiten Ansicht entschieden, die besagt, dass die Datumsgrenze durch die Beringstraße verläuft. Stell Dir vor, dass man mitten in der Omerzählung die Datumsgrenze überschreitet und somit einen Tag verliert oder gewinnt.

 

Über diese Frage gibt es drei Meinungen.

 

  1. RABBI BETZALEJL STERN, der Autor des Werkes „BETZEJL haCHOCHMA“ (5:96-98) ist der Meinung, dass wenn man auf seiner Flucht über die Datumsgrenze EINEN Tag zusätzlich erhält, man an diesem zusätzlichen Tag die Omerzählung von gestern nochmals zu wiederholen hat, aber ohne Beracha (sie ist je schon gezählt worden). Ohne Beracha (der Erwähnung des Namen G“ttes) bedeutet das, nicht wirklich zu zählen. An den verbleibenden Tagen zählt man MIT Beracha mit der örtlichen Bevölkerung mit. Es fehlt somit nichts an der Zählung.

 

Kette der Tage unterbrochen

Wenn man einen Tag unterwegs verloren hat, ist man jedoch aus der Omerzählung raus. Die Kette der Tage ist unterbrochen. Sobald man die Datumsgrenze überschreitet, zählt man den neuen Tag ohne Beracha – man zählt immerhin nicht einen ganzen Tag – und danach zählt man mit den örtlichen Juden weiter, aber ohne Beracha, denn letztendlich wurde die Gesamtheit der Neunundvierzig tägigen Zählung unterbrochen.

 

  1. RABBI MENASCHE KLEINaus New-York ist in seinem Magnum Opus Mischnej Halachot (10:121) jedoch der Ansicht, dass wenn man EINEN Tag durch die Überschreitung der Datumsgrenze verliert, man denn diesen einen verpassten Tag wohl zählt, aber ohne Beracha. Aber danach zählt man WOHL mit der örtlichen Bevölkerung mit und mit Beracha, da man IN DER ZÄHLUNG letztendlich nichts verpasst hat, da man normal weitergezählt hat, sei es EINEN Tag ohne Beracha.

 

Wenn man später an den Ursprungsort zurück kehrt und es noch immer Omerzeit ist (das heißt zwischen Pessach und Schavu’ot), man eine Tag zu viel hat und über diesen Tag bereits eine Beracha gesprochen hat, zählt man diesen Tag doch mit, aber ohne Beracha, und die verbleibenden Tage zählt man MIT Beracha weiter.

 

  1. DER LUBAWITSCHER REBBE, RABBI MENACHEM MENDEL SCHNEURSOHNbesagt jedoch, dass man sich um die örtliche Zähltradition überhaupt nicht zu kümmern braucht. Zählen sei eine vollkommen subjektive Angelegenheit. Hat man einmal angefangen, zählt man einfach weiter, wie man bisher gezählt hat. Man überspringt bei der Zählung keinen Tag und man verdoppelt keinen Tag. Die Omerzählung ist eine private Angelegenheit. Sie hat nichts mit dem Ort zu tun, an dem am sich befindet.

 

Da Schavu’ot (das Wochenfest) das einzige Fest in der Thora ist, das kein festes Datum hat, sondern ganz einfach fünfzig Tage nach Pessach stattfindet, zählen die Reisenden bis zum fünfzigsten Tag und feiern dann Schavu’ot.

 

Es kann also vorkommen – laut dem LUBAWITSCHER Rebben – dass man Schavu’ot an einem anderen Datum feiert, als die Menschen am Ort der Bestimmung, also wo man hin wollte, und man drei Tage ein zu halten hat (zum Beispiel fünften, Sechsten und siebten Sivan).

 

Man sollte in den Gebeten wohl mit der Aussage aufpassen, dass es heute „das Fest der Übergabe der Tora“ sei. Das war ein gemeinschaftliches Erlebnis und das darf man nur anlässlich des örtlichen gemeinsamen Feiern von Schavu’ot sagen.

 

Wenn man unterwegs einen Tag dazu bekommen hat und mit dem Feiern von Schavu’ot (am fünften Sivan) schon früher begonnen hat, spricht man nur an SEINEM zweiten Tag vom Schavu’ot (dem ersten Tag Schavu’ot der örtlichen Gemeinschaft), dass es heute das Fest der Übergabe der Tora sei. Wenn man unterwegs eine Tag verloren hat, spricht man “ Es ist heute das Fest der Tora“ am zweiten örtlichen Tag.

 

Wie es auch sei: Vermeide Probleme, überschreite die Datumsgrenze nicht während der Omerzeit!

 

Zählen bedeutet Präzision und Genauigkeit

 

OMERFRAGE AUF SAFARI REISE

 

Frage: Sie sind auf Safari Reise gegangen und befinden sich weit weg von der Zivilisation. Sie wissen nicht mehr genau, ob es der vierundvierzigste oder der fünfundvierzigste Tag des Omers ist. Was müssen Sie tun?

 

Antwort: Eine einfache Lösung scheint zu sein, um beide Tage mit einer Beracha zu zählen, z.B. den 44. und den 45. Auf diese Weise sind Sie sicher, dass Sie die Mitzwa erfüllt haben.

 

Dewar Awraham sagt jedoch, dass man im Zweifelsfall über das richtige Datum ohne Beracha zählen sollte. Warum ist das so? Zählen bedeutet Präzision und Genauigkeit. Wenn man das genaue Datum nicht kennt, wird diese Doppelzählung nicht als Zählung bezeichnet. Deshalb werden Sie auch verstehen können, warum Magen Awraham argumentiert, dass jemand, der die Bedeutung der hebräischen Worte nicht versteht und dennoch auf Hebräisch gezählt hat, seine Mitzwa nicht erfüllt hat. Viele Gelehrte haben sich gefragt, warum Magen Awraham sich so entscheidet. Was unterscheidet Omer Zählen von zum Beispiel Kiddusch oder Hallel? Bei diesen beiden letzten Mitzwot erfüllen Sie Ihre Pflicht auch dann, wenn Sie die Worte des Kidduschs oder Hallels aussprechen, ohne sie zu verstehen. Dewar Awraham erklärt jedoch, dass die Mitzwa beim Kiddusch und Hallel das Lesen (keri’a) ist, während beim Omer Zählen das Zählen das wichtigste ist, und zählen bedeutet (sicher) zu wissen.

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