Von: Jisrael Jitzchak Rosenfeld
נצח דמצה
סוד הפתאומיות והגאולה ברגע אחד –
Netzach der Matzah
– Das Geheimnis der Plötzlichkeit und der Erlösung im einen Augenblick
Die Matzah entfernt jede Illusion.
Sie ist das Brot der Wahrheit,
flach und ohne Aufblähung,
ohne die Täuschung des
„Chametz“, der für
- Aufschub,
- Ego und
- Selbstverstrickung steht.
Sie lehrt den Menschen:
- Handle jetzt,
- sei wahrhaftig,
- warte nicht.
Denn die Erlösung geschieht nicht in ferner Zukunft, sondern in der Unmittelbarkeit des gegenwärtigen Augenblicks.
Im Aspekt von Netzach, der Sefira des Durchhaltens und des Sieges, offenbart sich eine paradoxe Tiefe:
Der wahre Sieg liegt nicht in langem Zögern oder langsamer Vorbereitung,
sondern im Durchbruch durch das Zögern selbst.
Netzach bedeutet hier,
die Trägheit zu besiegen
– den inneren Widerstand, der den Menschen immer wieder dazu bringt zu sagen:
„Später.“
Doch genau dieses „Später“
ist die Wurzel der Entfernung.
So lehrt
Rebbe Nachman ben Feiga von Breslov sz“l im
Likkutei MoHaRan (I, 5):
כִּי עִקַּר הַיְּשׁוּעָה הוּא בִּבְחִינַת פִּתְאֹם
„Denn das Wesentliche der Erlösung ist im Aspekt des Plötzlichen.“
Die Erlösung kommt nicht schrittweise allein, sondern als
ein Durchbruch
– ein Moment, in dem der Mensch sich entscheidet,
jetzt zu handeln.
Genau dies ist das Geheimnis der Matzah:
Sie hat keine Zeit, sich zu entwickeln, keine Zeit für Ausreden.
Sie ist geboren aus Eile
– חיפזון –
so wie Jisrael aus Ägypten herausging.
Und diese Eile ist kein Mangel, sondern eine höhere Form von Bewusstsein,
in der der Mensch sich mit der Wahrheit verbindet,
bevor der Verstand ihn wieder zurückhält.
Im Likkutei Etzos wird dies weiter präzisiert:
´צָרִיךְ לְהִזָּהֵר מִלְהִתְמַהְמֵהַּ בַּעֲבוֹדַת ה
„Man muss sich davor hüten, im Dienst HaSchems zu zögern.“
Denn jedes Zögern öffnet Raum für Verwirrung.
Das Herz wird schwer, der Wille schwächer, und das Einfache wird kompliziert.
Die Matzah hingegen ist radikale Einfachheit
– sie ist das Handeln ohne die Verzögerung des inneren Widerstands.
Deshalb wird in
Likkutei Tefillos gebetet:
זַכֵּנִי לְהַתְחִיל בְּכָל פַּעַם מֵחָדָשׁ בִּזְרִיזוּת
„Gewähre mir, jedes Mal von Neuem mit Eifer zu beginnen.“
Hier offenbart sich ein tiefes Geheimnis:
Jeder Moment ist ein neuer Anfang.
Die Vergangenheit hat keine Macht außer der, die man ihr gibt.
In dem Augenblick, in dem der Mensch sich entscheidet, neu zu beginnen
– mit Eifer,
mit Einfachheit,
ohne Aufschub
– tritt er bereits in die Dimension der Erlösung ein.
Auch der
Baal HaSulam, Yehuda Leib HaLevi Aschlag sz“l,
bestätigt diese Struktur der spirituellen Wirklichkeit.
In Sefer Schamati schreibt er:
אֵין הָאָדָם מִתְקַדֵּם אֶלָּא בְּפִתְאֹם
„Der Mensch schreitet nur plötzlich voran.“
Und weiter:
כָּל הַהִתְגַּלּוּיוֹת הֵן בִּבְחִינַת פִּתְאֹם
„Alle Offenbarungen geschehen im Aspekt des Plötzlichen.“
Damit wird klar:
Die spirituelle Entwicklung ist kein linearer Prozess, sondern eine Reihe von Sprüngen.
Jeder Sprung geschieht in einem Moment der Entscheidung
– in einem
„Jetzt“,
das nicht aufgeschoben wird.
Genau hier treffen sich die Torah von Breslov und die Lehre des Baal HaSulam, des Ashlager Rebben, sz“l:
In der Erkenntnis,
dass die Wahrheit im unmittelbaren Handeln liegt.
So wird die Matzah zu einem lebendigen Symbol:
Sie ist nicht nur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten, sondern ein innerer Zustand.
Ägypten
– Mitzrayim –
ist die Enge, das Gefangensein
- im Zögern,
- im Aufschub,
- im aufgeblähten Selbst.
Die Erlösung daraus geschieht,
wenn der Mensch den Mut findet, einfach zu handeln.
Netzach flüstert daher der Seele zu:
Warte nicht.
Analysiere nicht endlos.
Werde nicht schwer durch Gedanken.
Handle.
Jetzt.
Denn genau in diesem Augenblick, in dem der Mensch sich erhebt und ohne Verzögerung das Gute tut, geschieht
etwas Unsichtbares:
Das Gewöhnliche wird durchbrochen, das Verborgene wird offenbart, und das Licht der Erlösung tritt ein.
So ist das Geheimnis der Matzah letztlich dies:
Nicht die Zeit bringt die Erlösung
– sondern der entschiedene Augenblick.
