VON: Jisrael Jitzchak Rosenfeld
Heute ist der 14.Tag des Omers,
Malchus schebeGevurah,
—Königtum innerhalb der Disziplin/Strenge
An diesem Tag wird die Strenge nicht nur geprüft,
sondern „heruntergezogen“ in die Wirklichkeit des Lebens (Malchus)
– und genau hier spricht der Breslover Chassidus mit besonderer Klarheit.
Bei Rebbe Nachman von Breslov sz“l ist Malchus kein abstrakter Begriff,
sondern der Ort, an dem sich entscheidet, ob all unsere innere Arbeit überhaupt eine Wahrheit hat.
Rebbe Nachman lehrt immer wieder,
dass Malchus mit Dibur
– dem Sprechen – verbunden ist.
Das heißt:
Die „Königswürde“ eines Menschen zeigt sich in seinen Worten.
Gerade in Gevurah, also in Momenten von Begrenzung,
Korrektur oder Urteil, wird sichtbar,
ob unser Sprechen Leben bringt oder es einengt.
Malchus schebeGevurah fragt also sehr konkret:
Wie klingt meine Strenge?
Ist sie hart, verletzend, verschließend
– oder ist sie klar, aber zugleich offen für Beziehung?
Ein zentraler Gedanke in Breslov ist,
dass jede Form von echter Malchus aus Anava (Demut) entsteht.
Rabbeini Nachman sz“l verbindet das mit dem Konzept,
dass ein Mensch nur dann „herrschen“ kann
– über sich selbst oder in der Welt
–, wenn er sich selbst als Empfänger versteht.
Das heißt:
In Malchus schebeGevurah arbeite ich nicht daran, stärker zu kontrollieren, sondern reiner zu empfangen,
sodass meine Disziplin nicht aus meinem Ego kommt,
sondern aus einer höheren Ausrichtung.
Hier kommt auch die Praxis des Hisbodedus ins Spiel
– das persönliche, ehrliche Sprechen mit HaSchem,
das im Breslover Weg zentral ist.
Gerade an einem Tag wie diesem kann man in der Stille prüfen:
Wo ist meine Gevurah eigentlich angespannt?
Wo bin ich streng,
weil ich Angst habe,
die Kontrolle zu verlieren?
Und wo gelingt es mir, meine Grenzen aus innerer Ruhe zu setzen?
In dieser ehrlichen Aussprache wird die Gevurah „gesüßt“ und kann sich in Malchus richtig verkörpern.
Ein weiterer wichtiger Punkt bei
Rebbe Nachman sz“l ist,
dass wahre Autorität niemals Druck erzeugt.
Er spricht davon, dass Malchus deKeduscha (heilige Königswürde) Menschen anzieht,
ohne sie zu zwingen.
Übertragen auf
Malchus schebeGevurah bedeutet das:
Wenn meine Disziplin echt ist,
muss ich sie nicht laut durchsetzen.
Sie hat eine stille Kraft.
Wenn ich hingegen ständig kämpfen muss, um meine Grenzen zu behaupten,
ist das oft ein Zeichen, dass die innere Ausrichtung noch nicht geklärt ist.
Kabbalistisch gesehen wird Malchus auch mit dem „Spiegel“ verglichen.
In der Sprache von Breslov könnte man sagen:
Das, was durch mich sichtbar wird
– meine Worte,
meine Handlungen, meine Art,
Grenzen zu setzen
– spiegelt meinen inneren Zustand.
Malchus schebeGevurah
ist daher ein
Tag radikaler Ehrlichkeit:
Nicht nur ob ich diszipliniert bin,
sondern wie diese Disziplin bei anderen ankommt.
Rebbe Nachman würde hier wahrscheinlich sehr praktisch werden:
Fang klein an.
Ein einziges Wort weniger Schärfe.
Ein Moment mehr Bewusstheit,
bevor Du reagierst.
Eine klare Grenze,
aber ohne inneren Zorn.
Denn in Breslov geht es nie um Perfektion, sondern um Nekudos Tovos
– die kleinen guten Punkte, die man findet und stärkt.
So wird
Malchus SchebeGevurah
nicht zu einem strengen Ideal,
sondern zu einem lebendigen Weg:
Die eigene Stärke so zu verkörpern, dass sie nicht trennt, sondern trägt.
Nicht dominiert, sondern dient.
Und genau darin liegt
– ganz im Sinne von
Rebbe Nachman sz“l
– die eigentliche Würde des Menschen
Im Sefer Yetzirah steht geschrieben:
„Es gibt nichts Höheres als Freude (Oneg) und nichts Niedrigeres als Leid (Nega).“
Das Leid der Tzara’as entsteht,
wenn jemand Freude an einem anderen hat.
Wenn jemand üble Nachrede (Laschon Hara) spricht,
nimmt er einem anderen Menschen direkt oder indirekt die Freude.
So kehrt sich die Freude ins Gegenteil um und wird zu Leid.
Selbst heute, wo kein äußeres Leid herrscht, wird die Freude,
die wir unrechtmäßig nehmen,
in unserem Leben zu Leid.
Der Tikkun ist –
zum Kohen zu gehen.
Der Karliner Rebbe sz“l erklärt,
dass die Reise zum Kohen selbst
die Metzora reinigt
–das Zuhause zu verlassen,
diese unangebrachte Freude aufzugeben,
und dadurch
das Negative zu transformieren.
So ist es auch in unserem Leben
–manchmal sind wir gezwungen,
schwierige und anstrengende
„Reisen“ anzutreten,
und gerade diese Reisen
reinigen uns.
Möge es uns gelingen,
diese Reisen mit Liebe anzunehmen.
