Jüdisch! Die Tora lernen und leben.

Innere Freude und die Heilige Arbeit des Herzens

Zu Rosch Chodesch Adar

Von: Jisrael Jitzchak Rosenfeld

שמחה פנימית

Innere Freude und die Heilige Arbeit des Herzens

Purim ist das Fest derjenigen, die sich fern fühlen.

Es ist der einzige Feiertag, dessen Datum je nach Ort unterschiedlich gefeiert wird: Manche feiern am 14., andere am 15., manche können ihn sogar „verpassen“.

Dies erinnert an Pesach Scheni, wo jemand, der weit weg war, eine zweite Chance erhält.

Doch fern bedeutet hier nicht geographisch, sondern emotional:

Wer lange nicht in die Gemeinschaft gekommen ist oder sich von HaSchem entfernt fühlt, erlebt Unbehaustheit.

Die Torah sagt in diesem Sinne:

„בּוֹא אַחֲרֵי כֵן, בּוֹא כְּשֶׁאַתָּה מוּכָן“

„Komm später, komm, wenn Du bereit bist.“

Purim lädt die „Außenseiter“ ein:

Du kannst eine Maske tragen, niemand fragt nach deiner Religiosität oder Vergangenheit, und Du darfst Neues ausprobieren.

Der Sinn der Maske ist kein Betrug, sondern ein Gefäß für Transformation:

„וְכִי תִתְחַזֵּק, תִהְיֶה הָאֱמֶת שֶׁלְּךָ מוּצָא לָאוֹר“

„Manchmal spielst du Nähe vor – und dann wird sie echt.“

So wie jemand in einen Tanz hineingezogen wird, wird derjenige, der sich fern fühlt, plötzlich zum freudigsten Teil der Gemeinschaft.

Der Monat Adar verstärkt diese Dynamik.

Die Mischna lehrt:

„בְּבוֹא אַדָר, מַרְבִּים בְּשִׂמְחָה“ (תענית כט א)

„Wenn Adar eintritt, vermehrt sich die Freude.“

Der Keduschas Levi erklärt dazu:

„אֲדָר קשׁוּר לִבְגָדִים – כְּמוֹ שֶׁבַּפּסוּק ‘עֲדֶרֶת אֵלִיָּהוּ’ – כְּשֶׁהַחוּצָה מִתְחַבֶּרֶת לְתוֹךְ הַפְּנִים, תִּרְבֶּה הַשִּׂמְחָה“ (קדושת לוי, עמוד כא)

„Adar ist mit dem Gedanken von ‚Gewändern‘ verbunden – wie im Vers

עֲדֶרֶת אֵלִיָּהוּ‘

wenn das Äußere ins Innere übergeht, wächst die Freude.“

Hier zeigt sich eine tiefe psychologische Wahrheit:

Handlungen formen das Herz.

Auch wer „vorläufig“ handelt oder Freude vortäuscht, beginnt, die echte innere Freude zu erfahren.

Rebbe Nachman von Breslov sz“l ergänzt diese Perspektive:

„מִצְוָה גְדוֹלָה, לִהְיוֹת בְּשִׂמְחָה תָמִיד“ (ליקוטי מוהר“ן א, כג)

„Es ist eine große Mitzwa, immer in Freude zu sein.“

Für ihn ist Freude nicht nur ein Ergebnis von Nähe zu HaSchem, sondern der Weg dahin.

Wer sich fern fühlt, kann durch kleine Handlungen, äußere Rituale oder „Spiel“ die innere Wirklichkeit berühren:

„הַדְּבָרִים שֶׁאֲנָשִׁים עוֹשִׂים מוּלָדִים לֵבָבָם, וְזֶה מוֹלִיד שִׂמְחָה עֲמֻקָּה“ (ליקוטי מוהר“ן א, ה)

„Die Dinge, die Menschen tun, werden Teil ihres Herzens, und das erzeugt tiefe Freude.“

Der Heilige ARIzal zeigt die gleiche Bewegung auf _kabbalistischer Ebene:_

Purim ist die Gelegenheit, die verborgene Seele ans Licht zu bringen und alles zu heilen, was in der Exilität blockiert war:_

„חג הפורים הוא הזדמנות להוציא הנשמה החבויה לאור, ולתקן כל מה שהיה נסתם בגלות“ (עץ חיים, שער פורים, פרק א)

„Das Fest Purim ist die Gelegenheit, die verborgene Seele ans Licht zu bringen und alles zu heilen, was in der Exilität blockiert war.“

Auch die Maske ist für den ARIzal ein spirituelles Werkzeug:

„כאשר האדם עושה מצוות חיצוניות בכוונה, אפילו אם קשה לו פנימית, זה מקרב את הנשמה לאר“י“ (עץ חיים, שער פורים, פרק ב)

„Wenn der Mensch äußere Gebote ausführt, selbst wenn ihm das innerlich schwerfällt, bringt dies seine Seele näher zu HaSchem.“

Praktische Avodah

– Ein Schritt näher

Wahrnehmen, wo Du dich fern fühlst

– von Menschen,

Torah oder

HaSchem.

Einen kleinen Schritt wagen, auch wenn es sich wie „Vortäuschen“ anfühlt.

Die Maske als Mittel der Transformation sehen

– der äußere Schritt formt das Innere.

Purim, Rosch Chodesch Adar, Rebbe Nachman und der ARIzal zeigen:

Freude, Nähe und Zugehörigkeit entstehen nicht nur aus Gefühlen, sondern aus dem Tun, selbst wenn es zunächst gespielt erscheint.

CHODESCH TOV

Quellen:

Mischna Ta’anis 29a

Keduschas Levi, S. 21

Likutej Moharan I:5, I:23

ARIzal, Etz Chaim, Sha’ar Purim, ch. 1–2

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