Von: Jisrael Jitzchak Rosenfeld
Gestern Abend haben wir den Monat Ijar begonnen
– eine Zeit, die für Heilung bekannt ist.
אייר
אני ה‘ רופאך
Aijr, Ani HaSchem rofecha
Ich bin HaSchem, Dein Heiler.
(Schemos 15,26)
Anbei eine Drascha von mir im Geist von Breslov, verwoben mit Lehren des ARI:
Der Monat
אייר
*– Ijar – ist kein gewöhnlicher Abschnitt im Jahr.
Unsere Weisen lehren:
Seine Buchstaben sind ein Geheimnis.
אני ה׳ רופאך
– „Ich bin HaSchem, dein Heiler“.
Doch die Frage ist:
Welche Art von Heilung ist gemeint?
Nach der
Lehre von Rabbi Nachman von Breslov sz“l beginnt jede Heilung nicht im Körper, sondern im Bewusstsein des Menschen.
Krankheit
– ob körperlich oder seelisch
– ist oft ein Zustand von Hester Panim, einer Verhüllung.
Der Mensch fühlt sich getrennt, abgeschnitten von der Quelle des Lebens.
Und genau hier tritt Ijar ein.
Die verborgene Ordnung der Heilung
Der Heilige ARIzal lehrt,
dass die Zeit zwischen Pessach und Schawuos eine Phase des
Tikkun HaMiddos ist
– der Korrektur der inneren Eigenschaften.
Jeder der 49 Tage des Omers entspricht einer Kombination der sieben unteren Sefiros:
Chesed,
Gewurah,
Tiferes,
Netzach,
Hod,
Yesod,
Malchus.
Heilung geschieht also nicht plötzlich. Sie ist ein Prozess der Rekonstruktion der Seele.
Wenn ein Mensch z. B. in Gewurah (Strenge) verletzt ist,
zeigt sich das vielleicht als Angst oder Härte.
Wenn Chesed (Liebe) blockiert ist, als Leere oder Kälte.
Der ARI offenbart:
Jede Unordnung in den Sefiros spiegelt sich im Leben des Menschen wider.
Ijar ist die Zeit,
in der diese inneren Gefäße gereinigt werden.
Breslov:
Heilung durch Einfachheit und Stimme
Rabbi Nachman sz“l geht noch weiter.
Er sagt:
Die größte Heilung liegt im Dibur – im Sprechen mit HaSchem.
Wenn ein Mensch sagt:
„Ani HaSchem Rofecha“
– dann ist das nicht nur ein Vers.
Es ist eine Ausrichtung des Bewusstseins.
Denn Krankheit entsteht oft durch Trennung
– Heilung durch Verbindung.
In der Sprache von Breslov:
Wenn ein Mensch Hisbodedus macht
– sich zurückzieht und mit HaSchem spricht wie mit einem Freund
– dann beginnt das Licht der Heilung zu fließen.
Nicht weil das Problem sofort verschwindet, sondern weil die Seele wieder angeschlossen wird.
Das Geheimnis von Ijar
Die Kabbala lehrt,
dass Ijar der einzige Monat ist, dessen Name ein Akronym eines vollständigen Satzes ist.
Das bedeutet:
Dieser Monat selbst ist ein Gefäß für g“ttliche Rede.
Und hier liegt ein tiefer Hinweis:
So wie der Monat aus Worten besteht,
so wird Heilung durch Worte aktiviert.
Nicht nur durch Gebet
– sondern durch ehrliche, einfache Worte.
Rabbi Nachman sz“l sagt:
„Wenn Du glaubst, dass du kaputt machen kannst, glaube auch, dass Du reparieren kannst.“
Das ist Ijar.
Von Pessach zu Schawuos – der Weg der Heilung.
Nach Pessach sind wir befreit
– aber noch nicht geheilt.
Erst bei Schawuos empfangen wir die Torah
– das vollständige Licht.
Dazwischen liegt Ijar.
Freiheit ohne Heilung ist instabil.
Heilung ohne Arbeit ist Illusion.
Darum zählen wir jeden Tag.
Darum arbeiten wir Schritt für Schritt.
Möge dieser Monat ein Monat sein, in dem:
Verborgene Brüche ans Licht kommen
– und geheilt werden.
Die Stimme des Herzens wieder hörbar wird.
Und wir spüren, dass
„Ani HaSchem Rofecha“
kein ferner Vers ist, sondern eine gegenwärtige Realität
Denn die tiefste Heilung ist nicht nur,
dass der Schmerz verschwindet
– sondern dass der Mensch erkennt:
Er war nie wirklich getrennt.
