Jüdisch! Die Tora lernen und leben.

Derascha – Schewa Berachot

Vielen Dank für die Einladung zu diesen wunderschönen Schewa Berachot zu Ehren unseres Chatan und unserer Kalla – J. und G. aus den Familien N. und J.. Ein herzliches Masal Tow an euch und an alle Familienmitglieder!

„Ki merosh tzurim er’enu…“

Ich erinnere mich gut an die Familie N. aus X – ein Haus voller Chessed und Tora, eine wahre Torat Chessed.

Alles dort war darauf ausgerichtet, Tora und Mesora weiterzugeben.

Die außergewöhnliche Mesirut Nefesch meines seligen Schwagers z.l. und meiner Schwägerin war weithin bekannt. Tora wurde mit jedem gelernt, der lernen wollte. Ihr Haus war ein großer Kiddusch HaSchem – ein echtes Mischkan von Chessed und Gemilut Chassadim, dem Fundament von Klal Jisrael.

Liebe B. und H.,
wir wissen, dass ihr diesen besonderen Weg eurer Eltern weitergeht.
Gemeinsam mit der Familie J. wünschen wir euch viel Nachat von diesem jungen Paar –
bis zur baldigen Ankunft des Go’el Zedek, bimheira bejamenu, Amen.

Wir lesen in der Tora von der Vollendung des Mischkan.
Unsere Weisen lehren: Der Mischkan war das Herz – das „Lev“ – von Klal Jisrael.

Dieses Herz zeigte sich auf mehrere Weisen:

1. Nediv Lev – das gebende Herz

Die Tora betont immer wieder die Menschen mit einem großzügigen Herzen,
die über ihr eigenes Interesse hinausgingen und für einen höheren Zweck spendeten.

Diese Großzügigkeit durchdrang alles –
das Gold, das Silber, das Kupfer und das Holz des Mischkan.

2. Chacham Lev – das verstehende Herz

Es heißt: „U’belev kol chacham lev natati chochma“.

Menschen ohne handwerkliche Ausbildung wurden zu Künstlern –
Goldschmiede, Zimmerleute –
nur durch ihren tiefen Wunsch, am heiligen Bau mitzuwirken.

Ihr Herz suchte nach Chochma – und fand sie.
Der Wille erschloss ihnen Weisheit und Verständnis.

Dieses Prinzip begleitet uns in ganz Jiddischkeit.
Der Rambam erklärt im More Newuchim,
dass der Mensch zwei Vollkommenheiten erreichen soll:

  • Schlemut haSichlit – intellektuelle Vollkommenheit
  • Schlemut haMidot – charakterliche Vollkommenheit

Beides zusammen führt den Menschen zu den Idealen der Tora.
Das ist das Geheimnis eines Bajit Ne’eman beJisrael.

3. Melechet Machschewet – bewusstes Handeln

Die Arbeiten des Mischkan stehen in Verbindung zu den Melachot von Schabbat.

Der Schlüssel ist: bewusstes, absichtsvolles Handeln.
Ohne Absicht – keine Melacha.
Ohne innere Beteiligung – keine wirkliche Handlung.

Das zeigt uns:
Jüdisches Leben besteht nicht nur aus Taten,
sondern aus Kawana, Bewusstsein und innerer Tiefe.

4. Die Adanim – das Fundament

Am Ende von Paraschat Pekudei lesen wir über die silbernen Sockel,
die das Fundament des Mischkan bildeten.

Diese kamen nicht aus freiwilliger Gabe –
jeder musste geben: „He’ashir lo jarbeh, vehadal lo jam’it“.

Der Ba’al HaTurim verbindet dies mit den 100 Berachot,
die wir täglich sprechen.

Diese täglichen Berachot sind das Fundament unseres Lebens –
so wie die Adanim das Fundament des Mischkan waren.

Liebe J. und G.,

möge euer gemeinsames Haus ein solcher Mischkan werden:

  • aufgebaut auf Nediv Lev – Großzügigkeit
  • erfüllt mit Chacham Lev – Weisheit
  • getragen von Kawana – bewusster Hingabe und Mesirut Nefesh
  • gegründet auf täglichen Berachot.

Meine Frau und ich wünschen euch
alle Berachot der Jiddischkeit.

Möget ihr ein Bajit Ne’eman beJisrael aufbauen
und viele Berachot daraus hervorgehen sehen –

bis zur baldigen Erlösung,
ad biat Go’el Zedek, bimheira bejamenu, Amen.

Cookies Notice

Our website uses cookies. If you continue to use this site we will assume that you are happy with this.