Von: J.J. Rosenfeld
Der Mei HaSchiloach sz“l lehrt uns etwas, das sowohl spirituell als auch praktisch ist:
Die Mitzwos (Gebote) sind nicht dazu da,
unsere Instinkte zu unterdrücken,
sondern sie zu veredeln.
Sie laden uns ein,
aus unserem höchsten Bewusstsein heraus zu leben, anstatt unseren primitivsten Reflexen zu folgen.
Angst wird aufkommen.
Das ist nicht das Problem.
Die Frage ist:
Lasse ich mich von dieser Angst leiten, oder erkenne ich sie an und treffe dann eine Entscheidung aus einer höheren Haltung heraus?
Die Aufforderung der Tora
„Fürchte Dich nicht“
bedeutet eigentlich:
„Lass Dich nicht von der Angst beherrschen.“
Es ist dasselbe wie die Lehre von
Rebbe Nachman sz“l:
Die ganze Welt ist eine sehr schmale Brücke, und das Wichtigste ist, nicht in Panik zu geraten.
Sich die Schritte nicht vom Lärm des eigenen Gehirns diktieren zu lassen, sondern mit der stillen Klarheit dessen zu gehen,
der weiß, dass er gehalten wird.
Denn wenn man weiß, dass HaSchem die Welt lenkt,
lässt man sich nicht mehr von jeder Bedrohung, jeder Statistik und jedem Machtungleichgewicht hin- und herwerfen.
Man lebt als Kind des Königs.
Und aus dieser Haltung heraus sieht die Welt anders aus.
Man muss nicht um jeden Krümel kämpfen.
Man muss nicht vor jedem Schatten fliehen.
Man kann fest, angstfrei und bewusst auf der schmalen Brücke stehen
– und genau das ist die wahrhaftigste Erfüllung von
lo tira
(Fürchte Dich nicht).
