Jüdisch! Die Tora lernen und leben.

Ausblick auf die Paraschios

Im Wochenabschnitt dieser Woche kommentiert Raschi das Gebot der Parah Adumah (der Roten Kuh) und stellt fest, dass es sich um einen Chok handelt

– ein überrationales Dekret:

„Es ist ein Dekret von Mir; ihr habt keine Erlaubnis, es zu hinterfragen.“

Doch direkt im Anschluss liefert Raschi eine Erklärung:

„Ich habe eine aggadische Auslegung aus den Lehren von Rabbi Mosche HaDarschan übernommen.“

Was hat es damit auf sich?

Rav Chanoch Henoch von Alexander sz“l lehrte,

dass man durch die Parah Adumah die Fähigkeit erlangt, die gesamte Tora zu verstehen.

Gerade weil wir die Tiefen dieses Chok nicht begreifen, wird uns durch diesen Akt demütiger Hingabe wahres Verständnis zuteil.

Wie der Schelah HaKadosch sz“l treffend formulierte:

„Die höchste Erkenntnis besteht darin zu wissen, dass wir eigentlich gar nichts wissen.“

So lässt sich auch Raschi verstehen:

Es gibt eine hohe spirituelle Ebene,

auf der wir tatsächlich nicht verstehen

– nicht aus Passivität heraus,

sondern aus einem Zustand reinen, schlichten Glaubens.

Und wenn wir das Gebot auf diese Weise annehmen

– mit Emunah (Glaube) –,

dann kann Verständnis entstehen.

Deshalb sagt Raschi sz“l zunächst:

„Ihr dürft es nicht hinterfragen“,

und bringt erst dann eine Auslegung –

und erfüllt damit den Vers:

„Sei ganzherzig (tamim) mit HaSchem, Deinem G“tt.“

Das Werk Mei HaSchiloach lehrt uns im Zusammenhang mit der Paraschas Balak,

dass das Leben lange vor dem eigentlichen

Eintreten von Ereignissen beginnt.

Vor den Taten stehen die Wünsche.

Vor den Gelegenheiten stehen die Sehnsüchte.

Bevor sich äußere Umstände zeigen, vollzieht sich bereits eine verborgene Regung im Herzen.

Bileam wollte glauben, dass Balaks Einladung einfach so eingetroffen sei.

Doch der Ischbitzer Rebbe sz“l offenbart, dass die Geschichte schon viel früher ihren Anfang nahm.

Sie begann mit den Wünschen,

die Bileam über Jahre hinweg in sich genährt hatte.

Diese Lehre fordert uns auf,

einen ehrlichen Blick auf unser eigenes Leben zu werfen.

Nicht nur auf das,

was wir tun.

Nicht nur auf das,

was uns widerfährt.

Sondern auch auf das, wonach wir uns im Stillen sehnen.

Denn die Sehnsucht von heute wird oft zur Realität von morgen.

Und je mehr wir unsere Wünsche auf das Heilige ausrichten,

desto mehr Raum schaffen wir für Segen, Wachstum und Verbundenheit.

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