Von: Jisrael Jitzchak Rosenfeld
Paraschas Chukas beginnt, wie wir schon gelernt haben, mit den Gesetzen der Parah Adumah,
einer Mitzwah,
die ja selbst König Schlomo nicht vollständig verstehen konnte.
Sie erinnert uns daran, dass die tiefste Wahrheit nicht immer an der Oberfläche erkennbar ist.
Nicht alles ist so,
wie es scheint, und nicht alles kann mit menschlicher Logik erfasst werden.
In derselben Parascha erleben wir den Tod von Mirjam und Aharon, zwei gewaltige geistige Schutzschilde des Volkes Jisrael.
Mit ihrem Weggang verändert sich die geistige Situation des Volkes, und unmittelbar danach treten neue Herausforderungen hervor.
Vor diesem Hintergrund erscheint Balak.
Auf den ersten Blick wirkt Balak,
der König von Moav, nicht wie ein böser Mensch.
Das Volk Jisrael nähert sich seinem Gebiet, und Balak möchte
– wie jeder Herrscher – seine Nation schützen.
Er ruft nicht direkt zum Krieg oder zur Vernichtung auf;
er möchte lediglich, dass Jisrael verschwindet.
Äußerlich scheint sein Anliegen verständlich und sogar legitim.
Auch Bila’am erscheint zunächst als g“ttesfürchtiger und aufrichtiger Mensch.
Als die Gesandten Balaks zu ihm kommen, erklärt er:
„Ich kann das Wort HaSchems, meines G“ttes, nicht übertreten, weder im Kleinen noch im Großen.“
Er betont immer wieder, dass er nur das sagen werde, was HaSchem ihm eingibt.
Doch die Mekubalim und die inneren Lehren der Tora warnen uns davor,
Menschen und Situationen nur nach ihrem äußeren Erscheinungsbild zu beurteilen.
Oft besteht eine tiefe Kluft zwischen dem, was sichtbar ist, und dem, was im Herzen verborgen liegt.
Darin liegt ein bemerkenswerter Hinweis:
„Bila’am Balak“
(בלעם בלק)
enthält dieselben Buchstaben wie
„b’lev Amalek“
(בלב עמלק)
– „im Herzen ist Amalek“.
Nach außen hin:
• Frömmigkeit, • Höflichkeit, sogar • Prophetie.
Im Inneren jedoch:
Dieselbe kalte Feindschaft Amaleks
– Zweifel, Trennung und Widerstand gegen den g“ttlichen Plan.
Dieses Muster begegnet uns immer wieder in der Tora.
Lavan sprach höflich.
Avimelech stellte sich unschuldig dar.
Pharao verhandelte und zeigte zeitweise Entgegenkommen.
Doch hinter den Worten verbarg sich Widerstand gegen HaSchem und gegen Israel.
So wie die Parah Adumah uns Demut gegenüber den verborgenen Wegen HaSchems lehrt,
fordert uns die Begegnung mit Balak und Bila’am auf,
hinter die äußere Fassade zu schauen.
Nicht alles,
was fromm klingt, ist heilig.
Nicht jede freundliche Sprache entspringt einem reinen Herzen.
Die größte Gefahr Amaleks ist oft nicht der offene Angriff, sondern die verborgene Kälte, die Zweifel säht, Entfremdung erzeugt und die Verbindung zu HaSchem schwächt.
Mögen wir vor allem vor dem „Amalek im Herzen“ bewahrt werden.
Mögen wir die Weisheit besitzen, zwischen äußerem Schein und innerer Wahrheit zu unterscheiden.
Und mögen wir lernen, die verborgene Hand HaSchems auch dort zu erkennen,
wo die Dinge anders erscheinen, als sie wirklich sind.
