Jüdisch! Die Tora lernen und leben.

Der Eifer, der zu Schalom wird

Eine bresloverisch-lurianische Betrachtung

דרשה לפרשת פינחס

Der Eifer, der zu Schalom wird

–Eine bresloverisch-lurianische Betrachtung

Unsere Parascha beginnt mit einem scheinbaren Widerspruch.

Pinchas handelt mit größtem Eifer, doch seine Belohnung lautet:

הִנְנִי נֹתֵן לוֹ אֶת־בְּרִיתִי שָׁלוֹם

„Siehe, ICH gebe ihm Meinen Bund des Friedens.“

Bamidbar 25,12.

Warum erhält gerade derjenige, der mit Eifer handelt, den Bund des Friedens?

Der wahre Krieg

Rabbi Nachman von Breslov sz“l lehrt,

dass der eigentliche Kampf nicht gegen einen anderen Menschen geführt wird, sondern gegen das Böse im eigenen Herzen.

Wie König David HaMelech sz“l einst sagte:

סוּר מֵרָע וַעֲשֵׂה־טוֹב בַּקֵּשׁ שָׁלוֹם וְרָדְפֵהוּ

„Weiche vom Bösen und tue Gutes; suche den Frieden und jage ihm nach.“

Tehilim 34,15.

Nach Breslov ist der erste Krieg immer der innere.

Nicht Simri ist unser Gegner.

Nicht Kosbi.

Sondern die Vermischung von Wahrheit und Eigenwillen im Herzen.

Der ARIzal – Din wird zu Chesed

Der große Mekubal Jitzchak Luria sz“l erklärt in Scha’ar HaPesukim zu Paraschas Pinchas, dass Pinchas die Kraft der

המתקת הדינים

– der „Versüßung der Gerichte“ – offenbart.

Das Gericht

verschwindet nicht.

Es kehrt zu seiner Wurzel zurück und wird Barmherzigkeit.

Darum endet die Tat des Pinchas nicht mit Krieg,

sondern mit Schalom.

Scha’ar HaPesukim, Paraschas Pinchas;

Etz Chaim, Scha’ar HaKelalim (Lehre der Hamtakas haDinim).

Das Geheimnis des Sefer Yetzirah

Im Sefer Yetzirah lesen wir:

עשר ספירות בלימה

„Zehn Sefiros des Zurückhaltens.“

Sefer Yetzirah 1,2.

Die Kabbala versteht darunter, dass jede g“ttliche Kraft ihre Grenze kennt.

Chaos entsteht,

wenn jede Kraft nur sich selbst entfalten will.

Frieden entsteht, wenn jede Sefira ihren Platz einnimmt.

Pinchas stellt diese Ordnung wieder her.

Der Sohar – Frieden verbindet rechts und links

Der Zohar lehrt zu Paraschas Pinchas, dass wahrer Frieden entsteht,

wenn rechte und linke Seite

– Chesed und Gevurah – sich in der mittleren Linie vereinigen.

Darum wird Pinchas, obwohl er aus der Gevurah handelt, mit Schalom belohnt.

Zohar III, Paraschas Pinchas, 217a–220a.

Rabbi Nachman sz“l

offenbart:

„Jeder Mensch besitzt wenigstens einen guten Punkt, durch den er wieder zu HaSchem zurückkehren kann.“

Likkutei MoHaRan I:282 (Azamra)

Der Yetzer Hara sagt:

„Du bist entweder vollkommen oder verloren.“

Rabbi Nachman sz“l antwortet:

„Suche den einen guten Punkt.“

Das ist der Speer des Pinchas.

Nicht gegen

Menschen.

Sondern gegen die Verzweiflung.

Pinchas und Elijahu

Die kabbalistische Überlieferung identifiziert Pinchas mit Elijahu.

Darum erscheint Elijahu bei jeder Bris Mila.

Die Bris trennt das Überflüssige vom Heiligen.

Pinchas tat dasselbe auf der Ebene der Seele Jisraels.

(aus Pirkei DeRabbi Eliezer, Kap. 47.

Zohar III, Paraschas Pinchas.)

Das gebrochene Waw im Wort שָׁלוֹם

ist der Buchstabe ו in der Torah gespalten geschrieben.

Die Weisen sehen darin einen entscheidenden Hinweis:

Vollkommener Friede gehört der kommenden Welt an.

In dieser Welt besteht Schalom darin,

trotz aller Zerbrochenheit HaSchem zu dienen.

Nach Breslov ist gerade das zerbrochene Herz das Gefäß für die Nähe

HaSchems.

Wie David HaMelech sz“l sagte:

לֵב נִשְׁבָּר וְנִדְכֶּה אֱלֹהִים לֹא תִבְזֶה

„Ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst DU, HaSchem, nicht verachten.“

Tehilim 51,19.

Pinchas fragt uns:

Wo vermische ich Heiligkeit mit Eigenwillen?

Wo kämpfe ich gegen andere statt gegen meinen eigenen Yetzer Hara?

Wo kann ich heute Din in Chesed verwandeln?

Wenn der Mensch diese Arbeit tut, erfüllt sich die Verheißung der Torah:

הִנְנִי נֹתֵן לוֹ אֶת־בְּרִיתִי שָׁלוֹם

„Siehe, Ich gebe ihm Meinen Bund des Friedens.“

Bamidbar 25,12.

Nicht äußerer Friede zuerst.

Sondern Frieden zwischen Verstand und Herz.

Zwischen Himmel und Erde.

Zwischen der Seele und ihrem Schöpfer.

Amen.

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