Von: Jisrael Jitzchak Rosenfeld
Likkutei Moharan I, §282 – „Azamra le-Elokai be’odi“ TEIL 3
(„Ich will HaSchem singen, solange ich noch bin“ – Psalm 146,2)
Hauptthema: Die guten Punkte finden – „Nekudos Towos“
TEIL 3
Zur täglichen praktischen Übung eine von mir erdachte
„Azamra-Meditation“ – eine einfache, tägliche Praxis,
inspiriert von Rabbi Nachman von Breslow (Likutei Moharan I §282)
und erläutert nach der Breslover Tradition.
Sie ist für den täglichen Gebrauch gedacht – als Herzübung, nicht als bloßes Studium.
Azamra-Meditation – „Ich will meinem G“tt singen, solange ich noch bin“
1️⃣ Vorbereitung – Ein Moment der Stille
Setze Dich an einen ruhigen Ort.
Atme tief ein und aus.
Schließe die Augen und sage still in Deinem Herzen:
„Ribono shel Olam – Meister der Welt,
hilf mir, heute das Gute zu sehen,
in mir und in jedem Menschen, den ich treffe.“
Lass den Atem ruhig werden.
Spüre, dass Du jetzt da bist – „be’odi“, mit dem, was noch in Dir ist.
Nicht perfekt, aber lebendig.
2️⃣ Finde ein gutes Pünktchen – „Nekudah Tovah“
Erinnere dich an eine kleine Sache, die Du heute oder gestern gut gemacht hast.
Etwas Einfaches:
ein freundliches Wort,
ein ehrliches Gebet,
eine gute Absicht, auch wenn sie nicht ganz gelang.
Sag leise zu Dir:
„Das war etwas Gutes.
Auch in mir wohnt noch Licht.“
Bleibe einen Moment bei diesem Gedanken.
Spüre, wie sich ein zarter Funke von Freude regt.
Das ist der Anfang deines Liedes.
3️⃣ Finde das Gute im anderen
Denke nun an jemanden,
der Dich ärgert, enttäuscht oder verletzt hat.
Frage Dich:
„Gibt es in diesem Menschen ein kleines Gutes, das ich sehen kann?“
Vielleicht hat er einmal etwas Freundliches getan.
Vielleicht kämpft er mit Dingen, die ich nicht verstehe.
Vielleicht trägt er einfach Schmerz.
Sage in Deinem Herzen:
„Auch in ihm ist ein Funke des Schöpfers.
Ich will ihn nicht richten – ich will das Gute sehen.“
Lass Mitgefühl in Dir aufsteigen, ohne die Augen zu verschließen.
Das ist Azamra – die Fähigkeit, im Dunklen ein Stück Licht zu erkennen.
4️⃣ Sammle die Melodie
Jetzt stelle Dir vor,
dass all diese guten Punkte – Deine und die der anderen –
wie kleine Lichter sind, die zusammen eine Melodie formen.
Vielleicht hörst Du sie innerlich:
ein stilles, freudiges Lied, das durch dein Herz zieht.
Sag leise:
„Azamra le-Elokai be’odi –
Ich will meinem G“tt singen, mit dem, was noch in mir ist.“
Lass dieses Lied in Dir klingen – nicht mit dem Mund,
sondern mit der Seele.
5️⃣ Abschluss
Öffne langsam die Augen.
Sag zu Dir selbst:
„Heute will ich sehen, was gut ist.
In mir. In anderen. In der Welt.“
Atme tief ein und aus –
und trage dieses stille Lied in deinen Alltag.
Hinweis zur Praxis
Diese Meditation dauert nur 5–10 Minuten.
Du kannst sie morgens, vor dem Gebet, oder abends vor dem Schlafengehen machen.
Viele Breslover Chassidim pflegen, dabei leise zu summen oder zu singen,
um die „Melodie der guten Punkte“ tatsächlich spürbar zu machen.
