Zur Yahrzeit von Rav Kalonymus Kalman Shapira
Von: Jisrael Jitzchak Rosenfeld
A git Woch HaRav
Chazal lehren zu dem Vers „…Noach wandelte mit HaSchem “ dass „Noach HaSchems Unterstützung brauchte, um in seiner Rechtschaffenheit zu bestehen, aber Abraham schöpfte seine moralische Kraft aus seinem Inneren und wandelte in seiner Rechtschaffenheit aus eigener Kraft.“
Er würde in Verzweiflung verfallen und sich dann wieder neu stärken.
Der Piaseczno Rebbe erklärt, dass Abraham – und das jüdische Volk – diese äußere Unterstützung nicht brauchen, denn die Tora sagt bereits:
„Sie sind ein halsstarriges Volk.“
Um gegen den Strom zu schwimmen, um zu versuchen, eine Mitzwa mit Freude zu erfüllen oder *während des Gebets nicht zu sprechen, muss man hartnäckig sein – halsstarrig!
Noach brauchte ständig Bestätigung und Unterstützung,
aber
Am Yisrael muss sich nur daran erinnern, dass diese Stärke in ihm steckt!
Sie ist in unserer DNA von unseren Vorfahren kodiert!
Wir sollten gesegnet sein, mit diesem Bewusstsein zu leben!
(Heute ist die Jahrestag des Todes des Rebben von Piaseczno zt”l)
Wer war Rebbe Kalonymus Kalman Shapira, dieser Tzaddik seiner Zeit?
Rebbe Kalonymus Kalman Shapira (auch bekannt als der Piaseczner Rebbe) war ein bedeutender chassidischer Rabbiner, Lehrer und spiritueller Führer des 20. Jahrhunderts.
Hier sind die wichtigsten biografischen Punkte:
Leben
Geboren:
20. März 1889 in Grodzisk Mazowiecki (nahe Warschau, Polen)
Gestorben:
3. November 1943 (ermordet im KZ Majdanek)
Rebbe Kalonymus Kalman Shapira stammte aus einer bekannten chassidischen Dynastie (der Piaseczno-Dynastie). Schon in jungen Jahren galt er als außergewöhnlich gelehrt und tief spirituell.
Er wurde Rabbiner in Piaseczno (bei Warschau), wo er eine Jeschiwa gründete, die auf pädagogisch fortschrittliche Weise jungen Männern spirituelle Tiefe und ethische Bildung vermittelte.
Seine Werke
Er ist besonders durch seine Schriften bekannt, die zu den bewegendsten religiösen Dokumenten des Holocaust zählen:
חובת התלמידים
(Chovas HaTalmidim) –
_„Die Pflicht der Schüler“_
Ein Werk über spirituelle Erziehung und Selbstentwicklung für junge Schüler.
Es betont, dass jeder Schüler eine g“ttliche Seele besitzt und zur Heiligkeit fähig ist.
אש קודש
(Esch Kodesch – „Heiliges Feuer“)
Seine bekannteste Schrift.
Es handelt sich um die Predigten, die er im Warschauer Ghetto zwischen 1939 und 1942 hielt.
Diese wurden später in einem Metallbehälter vergraben und nach dem Krieg gefunden.
Das Werk enthält tiefgehende chassidische und psychologische Reflexionen über Leid, Glauben und Gottes Gegenwart in Zeiten unvorstellbaren Schmerzes.
דרושֵי חתונה
(Derushei Chasunah) und
•בני מחשבה טובה
(Bnei Machshava Tova)
Weitere spirituelle und mystische Schriften über innere Arbeit und Bewusstsein.
Philosophie
HaRav Shapira verband klassischen Chassidismus mit psychologischer Einsicht und moderner Pädagogik.
Er lehrte, dass spirituelle Entwicklung eine bewusste, innere Arbeit erfordert
– eine Art „musar“ (ethische Disziplin) auf chassidische Weise.
Im Ghetto lehrte er, dass selbst im Leid der Mensch in Beziehung zu HaSchem stehen könne, auch wenn der Sinn verborgen bleibe.
Tod und Erbe
Rebbe Shapira wurde 1943 ins KZ Trawniki deportiert und später in Majdanek ermordet.
Seine erhaltenen Schriften, besonders Esch Kodesch, sind heute zentrale Texte jüdischer Theologie und Holocaust-Spiritualität.
Hier ist ein bewegendes Zitat aus
„אש קודש“
—Esch Kodesch,
einer Drascha, die Rebbe Kalonymus Kalman Shapira im Warschauer Ghetto gehalten hat (Schabbos Paraschas Chukas, 1941):
„Wenn ein Mensch Schmerz empfindet und dabei ruft, dann ist in diesem Schrei selbst schon ein Gebet.
Und wenn er nicht einmal mehr die Kraft zum Rufen hat,
sondern nur stumm leidet –
dann hört der Ewige auch dieses Schweigen als Schrei.“
In diesem Satz zeigt sich Shapiras tiefe Theologie des Leidens:
Er lehrt, dass HaSchem auch im Schweigen des Leidenden gegenwärtig ist
– dass sogar der Schmerz selbst, unausgesprochen, zum Gebet werden kann.
Er sagte weiter sinngemäß:
„Früher, wenn wir litten, wussten wir, dass es einen Grund gab, und dass HaSchem uns prüft.
Aber jetzt, da die Leiden ohne Maß und Sinn scheinen, bleibt uns nur das: zu wissen,
dass HaSchem mit uns in diesem Leid ist.“
Diese Worte stammen aus einer Situation, in der er Zeuge unvorstellbaren Elends war, und doch suchte er nach einem Weg, den Glauben als Beziehung zu bewahren, selbst ohne Antworten oder sichtbaren Trost.
