Jüdisch! Die Tora lernen und leben.

Der Fastentag des 10. Tewet, dieses Jahr der 22. Dezember, ein Rückblick

In der Parscha dieser Woche lässt sich Ja’akows Familie in Ägypten nieder. Das war eine vorübergehende Rettung vor der Hungersnot, endete aber schließlich in der Sklaverei. Das jüdische Volk hat viele Höhen und Tiefen erlebt. Der Fastentag am vergangenen 22. Dezember war ein weiteres typisches Beispiel dafür.

Zerstörung der Hauptstadt Israels

Wenn wir am zehnten Tewet fasten, beweisen wir damit, dass wir uns bewusst sind, dass dieser Fastentag den Beginn der Zerstörung des Tempels in Jerusalem symbolisiert.

Im neunten Regierungsjahr von König Tsidkijahu aus dem südlichen Königreich Jehuda (588 v.d.Z.) belagerten die Babylonier unter der Führung von König Nebukadnezar Jeruschalaim (Jerusalem). Diese Belagerung dauerte bis 586 v. Chr., als die Stadt mitten im Sommer eingenommen wurde.

Beginn des Wiederaufbaus von Jerusalem

Am Ende des Babylonischen Exils, das nach der Zerstörung des ersten Tempels 70 Jahre dauerte, kehrten die Juden nach Israel zurück. Sie begannen mit dem Wiederaufbau Jerusalems und des Bait haMikdasch, obwohl es enormen Widerstand von Seiten der arabischen Bevölkerung, der Ammoniter und der Einwohner von Aschdod gab (Nehemia 4:7).

Arbeit und Speerwurf

Es war so schlimm, dass Nechemia (Nehemia) in seinem Buch der Tenach (Bibel) dies wie folgt bezeugt (4,17-18): „Diejenigen, die an der Mauer bauten, diejenigen, die die Lasten trugen, und diejenigen, die sie aufluden, verrichteten die Arbeit mit einer Hand, und die andere Hand hielt die Wurfspeere. Jeder der Bauleute hatte sein Schwert um die Hüfte gegürtet, während sie bauten“.

Erweiterung nach dem Holocaust

1951 n. d. Z. erklärte das Oberrabbinat Israels den 10. Tewet zum „Tag des allgemeinen Kaddisch-Gebetes“ für diejenigen, die während der Schoa, des Holocaust, umgekommen waren und deren Todesdatum nicht bekannt war. Alle, die während der Schoa Angehörige verloren hatten, sprachen an diesem Tag das Totengebet „Kaddisch“.

1967: Wiederaufbau der Mauern von Jerusalem

Nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 wurden die Mauern um die Altstadt Jerusalems wiederaufgebaut. Am 10. Tewet 5730 (19. Dezember 1969) meldete die Israelische Regierung, dass der Prozess des Wiederaufbaus abgeschlossen sei. Damit hatte sich der Kreis wieder geschlossen. Wir leben in der Generation von „Schiwat Zion“, der Rückkehr ins Heilige Land.

Spirituelle Aufgaben für die heutige Generation

Im jüdischen Kalender spielt der Wintermonat Tewet eine außerordentlich wichtige Rolle. Sowohl im physischen als auch im spirituellen Sinne.

1) Am 8. Tewet wurde die Tora von 70 Weisen ins Griechische übersetzt. Wie sahen die Chachamim, unsere Weisen, die Septuaginta, die Griechische Bibelübersetzung? Übersetzungen verkümmern immer und lassen wenig von der ursprünglichen Tiefe der Hebräischen Sprache übrig.

Einerseits wurde die Tora für die Griechisch-sprachige Bevölkerung zugänglich gemacht. Andererseits öffnete sie der Hellenisierung des Jüdischen Volkes die Tür. Die Gelehrten hatten sogar einen Fastentag ausgerufen. Die negativen Folgen dieser Hellenisierung sind bis heute zu spüren.

2) Am 9. Tewet starb Esra, der jüdische Anführer, der nach dem Babylonischen Exil (586-516 v. d. Z.) das jüdische Volk aus Medie und Persien zurück nach Israel führte, den Tempel in Jerusalem wiederaufbaute und das zweite jüdische Commonwealth gründete.

     3) Am 10. Tewet wurde eine Bresche in die Mauer von Jerusalem geschlagen, die schließlich zur Zerstörung des Tempels führte.

Neue geistige Erweckung

Diese alten historischen Aufzeichnungen bedeuten für uns einen neuen, gewaltigen Impuls und einen neuen spirituellen Auftrag:

a. Die Bresche in der Mauer unserer Hauptstadt ist ein Auftrag für diese Generation im Heiligen Land, dass wir die spirituelle Pflicht haben, die heiligste Stadt des Judentums sowohl physisch als auch geistig wiederaufzubauen und zu beleben.

b. Angesichts des religiösen Charismas von Esra, der vor 2.500 Jahren alles getan hat, um das jüdische Volk in das Biblische Land seiner Ursprünge zurückzubringen, dürfen wir uns verpflichtet fühlen, so weit wie möglich in den Fußstapfen dieses inspirierenden Anführers alle zur Auswanderung nach Israel zu ermutigen.

c. Angesichts der verkümmerten Bibelübersetzung können wir dem vertieften Studium und der Kenntnis der Tora, die letztlich die Essenz des Judentums ist, entgegenwirken.

Der 10. Tewet ist der kürzeste Fasttag des gesamten jüdischen Jahres, an dem wir inbrünstig auf eine baldige Wiedervereinigung des gesamten jüdischen Volkes am Fuße des Tempelbergs bimhera bejamenu – bald in unseren Tagen, Amen! hoffen dürfen.

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