Jüdisch! Die Tora lernen und leben.

Der hebräische Knecht – Arbeit als Tikkun und Erlösung

Von: Jisrael Jitzchak Rosenfeld

Paraschas Mischpatim beginnt nicht mit Schuld, sondern mit Begrenzung und Hoffnung.

Die Tora sagt:

„Wenn Du einen hebräischen Knecht erwirbst:

Sechs Jahre soll er dienen, und im siebten soll er frei ausgehen, ohne Zahlung.“

(2. Buch Mose / Schemos 21,2)

Rashi erklärt zu dieser Stelle

– gestützt auf den Talmud (Kidduschin 14b)

– dass es sich um jemanden handelt, der „wegen seines Diebstahls verkauft wurde“

 (Rashi zu Schemos 21,2: „נמכר בגניבתו“).

 Bemerkenswert ist:

Die Tora beschreibt nicht ausführlich die Schuld, sondern setzt sofort eine zeitliche Grenze. Sechs Jahre

– nicht mehr.

Schon hier liegt Barmherzigkeit im Gesetz.

Diese Struktur von sechs und sieben zieht sich durch die gesamte Schöpfung. Bereits im Dekalog heißt es:

„Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Arbeit tun.“

(2. Buch Mose / Schemos 20,9)

Und nach dem,

 Sündenfall wird dem Menschen gesagt:

„Im Schweiß Deines Angesichts sollst du Brot essen.“

(1. Buch Mose / Bereschis 3,19)

Der Sohar (Sohar I, 37b, zu Bereschis), verbindet diesen Zustand der Arbeit mit der kosmischen Folge von Adams Handlung:

Die Welt tritt in einen Zustand der Korrektur (Tikkun).

Auch die kabbalistische Struktur kennt die Sechs als Ausdehnung der Welt.

Das Sefer Yetzirah (Kapitel 4, Mischna 3) spricht von den sechs Richtungen des Raumes – oben, unten, Osten, Westen, Norden und Süden.

Der ARIzal (Rabbi Jitzchak Luria) beschreibt iin seinem Werk

_Etz Chaim Scha’ar HaKelalim_

, dass die Welt durch das

_„Klären der Funken“ (Birur HaNitzotzos)_ zur Vollendung gelangt.

Durch menschliches Handeln werden verborgene g“ttliche Funken erhoben.

Der Ramchal (Rabbi Mosche Chaim Luzzatto sz“l) schreibt in „Derech HaSchem“, Teil I, Kapitel 2, dass der Mensch geschaffen wurde, um sich durch seine Taten zu vervollkommnen und die Nähe zu HaSchem zu erlangen.

Die Welt der Handlung ist somit kein Zufall, sondern Voraussetzung für geistige Reifung.

Rabbi Nachman von Breslov fügt die innere Haltung hinzu.

In Likkutei MoHaRan,

Teil II, Lehre 24, sagt er:

„Es ist eine große Mitzwa, immer in Freude zu sein.“

Ohne Freude verengt sich das Herz; mit Freude wird selbst die Arbeit zu G“ttesdienst.

Schließlich erinnert die Tora daran:

„Denn Mir gehören die Kinder Israels als Knechte.“

(3. Buch Mose / Wajikra 25,55)

Die wahre Bindung gilt nicht Menschen, sondern dem Ewigen

– und diese Bindung ist letztlich Freiheit.

So wird der Eved Ivri zum Bild des Menschen: Sechs Jahre Arbeit

– Zeit der Korrektur.

Im siebten Jahr Freiheit

– nicht verdient durch Bezahlung, sondern geschenkt durch Vollendung des Weges.

Mögen wir die sechs Zeiten unseres Lebens bewusst leben, unsere Arbeit in Würde tun und die innere Freiheit erreichen, die die Tora bereits am Anfang verheißt.

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