„וַיְדַבֵּר מֹשֶׁה כֵּן אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְלֹא שָׁמְעוּ אֶל־מֹשֶׁה מִקֹּצֶר רוּחַ“
(Schemos 6,9)
Dies ist nicht bloß historische Müdigkeit, sondern ein kabbalistischer Zustand. Nach dem Sefer Etz Chaim ist Am Jisrael hier in Malchus ohne Mochin, abgeschnitten vom Zivug )Verbindung) mit Sefira Tiferes.
Malchus besitzt kein eigenes Licht
– לית לה מגרמה כלום – und genau darum ist der
Atem kurz.
Das Licht hat sich zurückgezogen.
Der heilige ARIzal lehrt, dass vor jeder neuen Offenbarung ein Rückzug des Lichts steht, damit ein feineres Gefäß entstehen kann.
Dies ist das Prinzip von Histalkus.
Rabbi Nachman beschreibt diesen inneren Ort mit schneidender Klarheit:
וְיֵשׁ נְפִילָה גְּדוֹלָה מְאֹד, עַד שֶׁנִּדְמֶה לוֹ שֶׁאֵין לוֹ שׁוּם תִּקְוָה כְּלָל… וְאָז אֵין לוֹ עֵצָה כִּי אִם לֶאֱחֹז בֶּאֱמוּנָה לְבַד
(Likutei Moharan I, 7)
„Es gibt einen sehr großen Fall, bis es dem Menschen erscheint,
Wa’era bedeutet:
וארא
Wenn der Name HaSchem im Bruch der Gefäße erscheint
וַיְדַבֵּר מֹשֶׁה כֵּן אֶל־בְּנֵי יִשְׂרָאֵל וְלֹא שָׁמְעוּ אֶל־מֹשֶׁה מִקֹּצֶר רוּחַ וּמֵעֲבֹדָה קָשָׁה
(Schemos / Exodus 6,9)
Dies ist nicht bloß ein historischer Bericht über Erschöpfung, sondern ein innerer, kabbalistischer Zustand. Nach der Lehre des heiligen ARIzal im Etz Chaim befindet sich Israel hier im Zustand von Malchus ohne Mochin, getrennt vom Zivug mit den höheren Sefirot. Malchut leit lah mi’garmah klum – sie besitzt kein eigenes Licht.
Wenn das Licht sich zurückzieht (Histalkus), wird der Atem kurz.
Das Licht beginnt erneut, in Beziehung zu Malchus zu treten, auch wenn sie es noch nicht aufnehmen kann.
Hier tritt Schimon ben Ja’akov Avinu als innere Gestalt hervor.
Seine Yahrzeit begingen wir ebenfalls vergangenen Schabbes.
In der kabbalistischen Lesart verkörpert Schimon reine Gevurah, die linke Linie vor ihrer Süßung.
Der heilige ARIzal beschreibt diesen Zustand als Din ohne Hitkalelus.
Rebbe Nachman warnt eindringlich:
כָּל הַדִּינִים נִמְשָׁכִים מִגְּבוּרָה, וְכְשֶׁאֵינָם מְמֻתָּקִים בְּחֶסֶד – הֵם חֻרְבָּן גָּמוּר
(Likutei Moharan I, 66)
„Alle Gerichte entspringen der Gevura; und wenn sie nicht durch Chessed gesüßt werden, sind sie völlige Zerstörung.“
Wa’era ist der Beginn der Hamtaqat HaDinim („die Versüßung und Vervollkommnung des strengen Rechts“.
Die Plagen sind Birurim
– Klärungen der zerbrochenen Gefäße Ägyptens, wie sie Etz Chaim für den Übergang von Olam HaTohu zu Olam HaTikkun („von Chaos zu Ordnung und guten, akzeptablen Verhältnissen“) beschreibt.
In der frühen chassidischen Überlieferung, die Rav Yehuda Aryeh Leib von Polony, bekannt unter dem Namen Mosch’iach von Polony, dessen Yahrzeit Schabbes Schemos war, zugeschrieben wird und später systematisch vom
Baal HaSulam ausgearbeitet wurde, ist Pharao kein äußerlicher Tyrann, sondern der unreine Wille zu empfangen um seiner selbst willen.
Der Baal HaSulam, der Aschlager Rebbe, lehrt sinngemäß, insbesondere im
Talmud Eser Sefiros, dass das eigentliche Exil nicht im Mangel an Licht liegt, sondern in der falschen Form des Empfangens.
Rebbe Nachman beschreibt diesen inneren Pharao so:
כָּל זְמַן שֶׁאָדָם חוֹשֵׁב שֶׁיֵּשׁ לוֹ כֹּחַ מֵעַצְמוֹ – הוּא בְּגָלוּת גָּמוּר
(Likutei Moharan II, 82)
„Solange der Mensch meint, er habe Kraft aus sich selbst heraus, befindet er sich in vollkommenem Exil.“
Die Plagen entkleiden diesen Willen.
Erst wenn der Mensch erkennt, dass er nichts besitzt, kann sich der Wille wandeln
– hin zu Empfangen um zu geben.
Der She’eris Yisrael, Rav Yisrael Dov Ber von Vilednik, dessen Yahrzeit ebenfalls am Schabbes, 21 Tewes, war, lehrt in seinen Schriften, dass es Zeiten gibt, in denen keine Worte möglich sind.
Mosche Rabbeinu spricht, doch Am Yisrael hört nicht
– nicht aus Trotz, sondern aus innerer Erstarrung. Gerade dort erhebt sich der wortlose Schrei.
Rabbenu Nachman nennt ihn:
יֵשׁ תְּפִלָּה שֶׁהִיא לְמַעְלָה מִן הַדִּבּוּר… וְהִיא עוֹלָה מִן הַצַּר וְהַדֹּחַק
(Likutei Moharan I, 21)
In der chassidischen Tradition des Baal Schem Tov heißt es, dass jedes Din ein verborgenes Licht enthält.
Der Noam Elimelech lehrt, dass die Tzaddikim dieses Licht mildern und in die Welt ziehen, damit sie bestehen kann.
In der Überlieferung des Kotznitzer Maggid wird gelehrt, dass jede Plage ein verborgener Name HaSchems ist, der sich offenbart, wenn die Lüge zerbricht.
So ist Wa’era der Beginn des inneren Tikkun.
Rabbi Nachman fasst diesen Weg zusammen:
כְּשֶׁאָדָם מְבַטֵּל אֶת עַצְמוֹ לְגַמְרֵי – אָז ה׳ יִתְבָּרַךְ נִכְנָס בְּתוֹכוֹ
(Likutei Moharan I, 64)
Möge das Verdienst der Tzaddikim bewirken, dass unsere inneren Gefäße gesüßt werden, bis der Name
הוי״ה
in Malchus wohnt und die Ge’ula offenbar wird,
בִּמְהֵרָה בְיָמֵינוּ אָמֵן
