Von: Jisrael Jitzchak Rosenfeld
An einem Schabbat nach der Netz Teffilah bemerkte einer der Gemeindemitglieder, wie Rav Shlomo Zalman Auerbach sz“l die Synagoge verließ und in die entgegengesetzte Richtung von seinem Haus ging.
Neugierig beschloss der Mann, dem Rav zu folgen, um zu sehen, wohin er ging.
Er beobachtete den älteren Rav, wie er lange Zeit ging.
Immer wieder setzte er sich auf eine Bank, ruhte sich einige Minuten aus und ging dann weiter.
Nach fast zwei Stunden erreichte der Rabbi die Gegend um Sanhedria HaMurcheves.
Er betrat eine Synagoge, setzte sich still hin, und nach der Haftara stand er auf und begann den langen Weg zurück nach Hause.
Das Gemeindemitglied fragte ihn später:
„Warum hat sich der Rabbiner so viel Mühe gemacht?“
Rav Shlomo Zalman Auerbach sz“l erklärte:
Gestern Abend kam ein Vater zu mir
und erzählte mir, dass sein Sohn
heute seine
Bar Mitzwa feiern würde.
Der Junge hatte sorgfältig die
Haftara des Wochenabschnitts vorbereitet.
Doch dann wurde ihnen klar,
dass die Haftara an diesem Schabbat
eigentlich
Machar Chodesch sein würde,
weil Rosch Chodesch
am nächsten Tag wäre.
Der Vater fragte, was er tun solle.
Ich riet ihm,
den Gabbai zu informieren,
dass der Junge die reguläre Haftara lesen solle,
die er vorbereitet hatte.
Aber heute Morgen dachte ich:
Selbst wenn der Gabbai Bescheid weiß,
könnte jemand in der Gemeinde
die Änderung bemerken und darauf hinweisen.
Es könnte Aufruhr entstehen,
und dem Jungen wäre es peinlich.
Aber wenn ich selbst
anwesend wäre
in der Synagoge,
würde niemand daran denken,
es zu hinterfragen.
Welch Feingefühl!
Welche Hingabe!
Was für ein großartiger Mensch!
Heute
ist seine Jahrzeit.
