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Erinnere den Schabbat: Sinai, Ehe und das Geheimnis der Schechina im jüdischen Haus

Von: Jisrael Jitzchak Rosenfeld

זָכוֹר אֶת יוֹם הַשַּׁבָּת — „

Erinnere den Schabbat“: Sinai, Ehe und das Geheimnis der Schechina im jüdischen Haus

In Parashas Yisro geschieht das zentrale Ereignis der jüdischen Geschichte:

Die Offenbarung am Sinai.

Die Tora beschreibt sie nicht nur als historische Begegnung zwischen HaSchem und Am Jisrael, sondern

— nach den Mekubalim — als kosmische Neuordnung der Welten.

In Sefer Schemos heißt es:

“וַיֵּרֶד ה‘ עַל הַר סִינַי” —

„HaSchem stieg auf den Berg Sinai herab.“

 (Schemos 19:20)

Der Ramban (ad loc.) erklärt, dass Sinai kein einmaliger Moment war, sondern die Einprägung eines Musters:

Von nun an kann die g“ttliche Gegenwart in der materiellen Welt wohnen. Was am Berg geschah, soll sich später im jüdischen Haus wiederholen.

Das Zuhause wird zu einem Mikdasch Me’at — einem kleinen Heiligtum.

Genau hier beginnt das Geheimnis des Schabbats.

In den Aseres Dibros (10 Geboten) heißt es:

“זָכוֹר אֶת־יוֹם הַשַּׁבָּת לְקַדְּשׁוֹ.”

 — „Erinnere den Tag des Schabbats, ihn zu heiligen.“

 (Schemos 20;8)

Der Talmud lehrt dazu:

“אין זכירה אלא על היין” —

 „Es gibt keine Erinnerung außer über Wein.“

(Pesachim 106a)

Raschi erklärt dort, dass „Sachor“ eine aktive Heiligung meint, nicht nur gedankliches Erinnern.

Der Kiddusch ist also kein bloßes Ritual, sondern eine kosmische Handlung:

Durch den Wein wird Zeit selbst geheiligt.

Rav Chaim Palagi von Izmir schreibt in Kaf HaChaim (Orach Chaim 271), dass es angemessen ist, dass die Frau den Wein in den Kidduschbecher gießt, weil sie durch das Zünden der Kerzen die Schabbat-Keduscha in das Haus hineinzieht.

Dies lässt sich tiefer verstehen im Licht von Yisro:

Am Sinai empfing Am Jisrael die Tora als Braut — so nennen Chasal die Versammlung Israels.

Der Zohar sagt ausdrücklich:

“שבת היא כלה”

— „Der Schabbat ist die Braut.“

(Zohar II, 135b)

Wenn die Frau die Kerzen entzündet, ist sie gleichsam diejenige, die die „Braut Schabbat“ in das Haus führt.

Der Mann, der anschließend Kiddusch spricht, entspricht dem Bräutigam, der sie empfängt.

Rav Palagi liest dies kabbalistisch:

Die Frau ist eine Manifestation von Malchus / Schechina, dem empfangenden g“ttlichen Prinzip.

Der Wein steht für Binah, die höhere Mutter.

Wenn sie den Wein gießt, verbindet sie Binah mit Malchus

— eine heilige Kette des Lichts.

In der lurianischen Kabbala (Etz Chaim, Sha’ar HaKlalim) wird gelehrt, dass jede Heiligung aus zwei Dimensionen besteht:

Or (Licht) — die g“ttliche Ausstrahlung

Kli (Gefäß) — die menschliche Aufnahme

Der Mann spricht den Kiddusch (Licht), die Frau gießt den Wein (Gefäß).

Ohne Gefäß gibt es kein Bleiben des Lichts

— genau wie am Sinai das Volk erst

„ויחן“ —

 in Einheit — stehen musste, damit die Offenbarung Bestand haben konnte.

Darum heißt es in Schemos:

“ויחן שם ישראל נגד ההר”

 — „Jisrael lagerte dort wie ein Mensch mit einem Herzen.“

 (Schemos 19;2)

Raschi kommentiert:

„כאיש אחד בלב אחד“ —

wie ein Mensch mit einem Herzen.

Der Kuzmirer Rebbe, Rav Yechezkel Taub זצ״ל (dessen Yahrzeit auch heute ist), lehrte oft, dass diese Einheit am Schabbat in jeder jüdischen Ehe neu geboren werden soll.

Er sagte:

So wie ganz Am Jisrael am Har Sinai eins wurde, so sollen Mann und Frau am Schabbat zu einer spirituellen Einheit werden — nicht nur emotional, sondern kosmisch.

Der Talmud verbindet Schabbat direkt mit Schalom Bayis:

“גדול השלום, שכל התורה לא ניתנה אלא לעשות שלום בעולם.”

„Groß ist der Frieden — die ganze Tora wurde nur gegeben, um Frieden in der Welt zu schaffen.“

 (Gittin 59b)

Tosafos erklärten dort, dass „Frieden“ vor allem im Haus beginnt.

Der Schabbat ist der höchste Ausdruck dieses Friedens, weil er die Gegensätze

— Arbeit und Ruhe, Körper und Seele, Mann und Frau — versöhnt.

Rabbeinu Nachman von Breslov lehrt:

“מצווה גדולה להיות בשמחה תמיד.”

 — „Es ist eine große Mitzwa, stets in Freude zu sein.“

(Likutei MoHaRan I, 24)

Es lässt sich sagen Simcha als Gefäss der Schechina, der Heiligkeit HaSchems.

Auf Schabbat bezogen heißt das: Die Kerzen der Frau bringen Licht, der Wein bringt Freude, und gemeinsam öffnen sie das Herz für die Schechina.

Ohne Freude kann die Heiligkeit nicht wirklich wohnen.

Der Baal HaSulam schreibt in Matan Torah, dass der Sinn der Schöpfung Dweikus — Anhaftung an HaSchem ist.

In der Ehe spiegelt sich dies:

Mann = Linie des Gebens (Chessed)

Frau = Linie des Empfangens (Malchus)

Schabbat = perfekte Harmonie beider Linien

Der Kiddusch wird so zur kosmischen Vereinigung von Licht und Gefäß, ähnlich der Vereinigung von Kadosch Baruch Hu und seiner Schechina.

Der Sfas Emes von Ger schreibt zu Yisro:

“בכל שבת חוזרת הארה של מתן תורה.”

„An jedem Schabbat kehrt das Licht von Matan Torah zurück.“

(Sfas Emes, Yisro 5641)

Das bedeutet:

Wenn die Frau die Kerzen zündet und den Wein gießt, geschieht Sinai im eigenen Haus.

In Belz wurde gelehrt, dass die Kerzen das

Or HaGanuz

— das verborgene Urlicht enthüllen, während der Wein die innere Seele des Schabbats öffnet.

Kabbalistische Krönung

Der Zohar sagt:

“תפארת ומלכות — ייחוד קודשא בריך הוא ושכינתיה.”

„Tiferes und Malchus sind die Vereinigung des Heiligen, gepriesen sei Er, mit seiner Schechina.“

(Zohar I, 231b)

Am Schabbat wird dieser Yichud real:

Der Mann (Tiferes) spricht den Kiddusch, die Frau (Malchus) gießt den Wein

— und das Haus wird zum Mikdasch Me’at.

Möge die Yahrzeit des Kuzmirer Rebbe uns erinnern, dass Schabbat nicht nur Ruhe ist, sondern kosmische Einheit.

Mögen wir unsere Häuser als kleine Sinaitische Heiligtümer erleben, unsere Ehen als heilige Bündnisse

— und die Worte erfüllen:

“ושכנתי בתוכם”

— „Ich werde in ihrer Mitte wohnen.“

(Schemos 25;8)

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