Jüdisch! Die Tora lernen und leben.

Hinter jedem Lächeln verbirgt sich ein unerzählter Kampf

Von: J.J. Rosenfeld

 Rabbeinu Nachman von Breslov:

„Hinter jedem Lächeln verbirgt sich ein unerzählter Kampf.

Schenke jemandem das Gefühl, dazuzugehören, willkommen zu sein, Unterstützung zu erfahren, sich sicher und wertgeschätzt zu fühlen

– manchmal kann die kleinste Freundlichkeit den größten Trost spenden.“

Die Stimmen sehen – den Sinai im Herzen empfangen

Paraschas Jisro ist nicht nur die Erzählung eines vergangenen Ereignisses, sondern die fortwährende Sprache der Zeit selbst, denn die Tora beschreibt die Offenbarung am Sinai mit den Worten

*וְכָל־הָעָם רֹאִים אֶת־הַקּוֹלוֹת* –

„und das ganze Volk sah die Stimmen“

(Schemos 20,15)

, was Raschi nach der Mechilta als reale Umkehr der Wahrnehmung erklärt:

„sie sahen das, was sonst nur gehört wird“ (Raschi ad loc.),

und genau hier beginnt die chassidisch-kabbalistische Lesart, dass Sinai nicht nur gehört, sondern innerlich geschaut wird; dieser Gedanke findet seine tiefste kabbalistische Grundlage bei Rabbi Chaim Vital זצ“ל dem Hauptschüler des ARIzal זצ“ל, der lehrt, dass Zeit selbst ein spirituelles Gefäß ist, in dem sich Offenbarung erneuert, wie er schreibt:

„wisse, dass sich an jedem einzelnen Tag und in jeder Stunde ein neues höheres Licht erneuert“

 (Rabbi Chaim Vital, Pri Etz Chaim, Scha’ar Krias Schema), womit klar wird, dass Matan Tora kein abgeschlossenes Geschehen ist, sondern sich im jährlichen Zyklus der Paraschios

– insbesondere

in Jisro

– neu offenbart; genau diesen Gedanken greift der Breslover Chassidus auf, wenn Rebbe Nachman in Likutei Moharan sagt:

 „jeder Mensch muss aus der Tora jeden Tag eine vollständige Erneuerung machen“

(Likutei MoHaRan I, 62),

denn die Stimme, die am Sinai erklang, spricht ununterbrochen weiter, wie Reb Nosson präzisiert:

„die Stimme existiert ständig, doch der Mensch ist nicht bereit, sie zu hören“

 (Likutei Halachos, Hilchos Netilas Yadayim)

, weshalb der Empfang der Tora von der inneren Vorbereitung abhängt, was Reb Nosson praktisch zusammenfasst:

 *„das Wesentliche des Empfangs der Tora ist die Öffnung des Herzens“*

 (Likutei Eitzos, Tora)

, ein Gedanke, der sich in der gesamten Chassidus widerspiegelt;

so lehrt der Sfas Emes (Rabbi Yehuda Aryeh Leib Alter von Ger) זצ“ל zu Paraschas Jisro, dass das Wort

 nicht kollektiv, sondern individuell gesprochen wurde,

 „zu jedem Einzelnen entsprechend seiner Stufe“

 (Sfas Emes, Jisro, 5631)

, was bedeutet, dass jeder Jude seinen persönlichen Sinai hat, eine Lehre, die sich mit Breslovs Betonung des individuellen Weges deckt; auch die Belzer Chassidus, insbesondere bei Rabbi Shalom Rokeach (Sar Shalom) זצ“ל*, betont, dass die Offenbarung nicht im äußeren Donner liegt, sondern darin, dass die Worte der Tora im Herzen ruhen, was er im Geist des folgenden Verses deutet

  (aus Jirmijahu 31)

– die Tora erst dann wirklich gegeben, wenn sie innerlich angenommen wird;

Rabbi Yehuda Aschlag, dem Baal HaSulam זצ“ל, der schreibt:

„das höhere Licht offenbart sich nur in einem dafür geeigneten Gefäß.“

 (Baal HaSulam, Hakdama leSefer haZohar, §34)

, und weiter erklärt, dass dieses Gefäß das innere Verlangen nach Korrektur und Verbindung von Klal Yisrael ist, weshalb er in seinem Essay Matan Tora betont, dass die Tora nur dort gegeben wird, wo Verantwortung füreinander besteht; all diese Wege

– der heilige ARIzal und Rabbi Chaim Vital, der Ramchal זצ“ל

Breslov mit Rebbe Nachman זצ“ל und Reb Nosson זצ“ל,

Ger mit dem Sfas Emes זצ“ל, Belz, und der Baal HaSulam

– treffen sich in Paraschas Jisro an einem Punkt:

Sinai ist kein Ort, sondern ein Zustand der Wahrnehmung, in dem Hören zu Sehen wird und Zeit selbst zum Gefäß der Offenbarung, sodass

bedeutet, die g“ttliche Stimme im eigenen Herzen zu erkennen, heute, jetzt, in dieser Parascha, denn wie

Rebbe Nachman זצ“ל abschließend sagt:

(Tehillim 95,7)

– heute, wenn ihr auf Seine Stimme hört – und

„es gibt überhaupt keine Verzweiflung in der Welt“

(Likutei MoHaRan II, 78),

 weil jeder Augenblick erneut zum Sinai werden kann.

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