Parscha Metsora – Fragen & Antworten
Das ist die Vorschrift für den Aussätzigen
„Das ist die Vorschrift für den Aussätzigen… .er muss zum Kohen gebracht werden“ (14:2).
Frage 1a. Er wird zum Kohen gebracht, auch wenn er das nicht will. Warum sollte ein Metsora das nicht wollen?
Antwort 1a. Die Chachamim (Weisen) erklären, dass ein Metsora (Aussätziger) eine Zusammenziehung von drei Wörtern ist: Motsi Schem Ra, jemand, der anderen einen schlechten Namen gibt (B.T. Erechin 16b). Normalerweise sind die öffentlichen Persönlichkeiten einer Gemeinschaft das Ziel des Spottes, die Laienführer oder die Rabbinischen Anführer, die Kohanim. Wenn Tzara’t (Aussatz) zuschlägt, fühlt sich das Opfer sehr unbehaglich. Er will nicht zu dem Kohen gehen, den er gerade verspottet hat. Deshalb muss er zum Kohen gebracht werden: um Wiedergutmachung zu leisten und sich zu entschuldigen.
Frage 1b. Warum ist die verbale Diagnose des Kohen so essenziell?
Antwort 1b. Der Magid von Dubno gibt als Erklärung an, dass die Menschen Laschon Hara als Avera (Übertretung) im Allgemeinen nicht sehr ernst nehmen. Man versteht nicht, wie viel Macht die Zunge hat. Obwohl die Tora sehr genau sagt, dass man nichts Böses sagen darf und sowohl der Sprecher, der Zuhörer als auch das Opfer schlimme Folgen erleiden können, wird der böse Sprecher immer sagen, dass er nur etwas gesagt und nichts Falsches getan hat. Deshalb schickt die Tora den Aussätzigen zum Kohen, denn das Schicksal des Aussätzigen wird durch den Kohen entschieden. Seine verbale Diagnose macht den ganzen Unterschied zwischen ‚Lepra‘ und Gesundheit aus. Ein Metsora wird lernen, dass „Leben und Tod in der Hand der Zunge liegen“ (Sprüche 18:21).
Frage 1c. Im ersten Fall sagt die Tora, dass der Aussätzige zum Kohen gebracht werden muss, und im zweiten Pasuk heißt es, dass der Kohen „aus dem Lagers gehen soll“, was bedeutet, dass der Kohen zu dem Kranken geht. Was lehrt uns das?
Antwort 1c. Es lehrt uns, dass derjenige, der gereinigt werden muss, den ersten Schritt tun muss, aber nachdem er den ersten Schritt getan hat und anzeigt, dass er gereinigt werden möchte, geht der Kohen zu ihm, um ihm zu helfen. Selbst wenn dies bedeutet, dass der Kohen seine herausragende Stellung in der Lagerstätte verlassen muss.
Frage 1d. Wenn Demut ein so wichtiges Element im Reinigungsprozess des Aussätzigen ist, warum weist die Tora nur mit einem Hinweis darauf hin und spricht es nicht ausdrücklich an?
Antwort 1d: Der Sfat Emmet sagt, dass wahre Demut bedeutet, zu erkennen, dass alle Talente, Fähigkeiten und Errungenschaften nicht wirklich die eigene Leistung sind. Sie sind keine Quelle des Stolzes, denn sie sind von G’tt gegeben. Daraus kann man niemals das Recht ableiten, arrogant zu sein. Wenn jemandem ein klares Gebot gegeben wird, an Demut und Bescheidenheit zu arbeiten, hat er offenbar das Gefühl, dass es ihm erlaubt ist, arrogant zu sein, aber dass er dieses Bedürfnis, sich groß zu fühlen, kontrollieren muss. Dies ist jedoch keine echte Demut. Die Tora gibt nur einen Hinweis, damit wir automatisch verstehen, dass wir aus keinem Grund imaginär sein müssen. Nur dann können wir wirklich demütig werden.
außer meinem Mangel an Bescheidenheit
Rabbi Naftali von Berschad pflegte zu sagen: „Wenn ich vor das Himmlische Gericht komme, werde ich alle meine Fehler verteidigen können, außer meinem Mangel an Bescheidenheit. Wenn man mich fragt, warum ich nicht mehr Tora gelernt habe, werde ich sagen, dass ich nicht so begabt war. Wenn sie mich fragen, warum ich nicht mehr gefastet und gebetet habe, werde ich ihnen sagen, dass ich zu schwach war. Wenn sie wissen wollen, warum ich nicht genug Zedaka (Wohltätigkeit) gegeben habe, entschuldige ich mich mit meiner Armut: Ich war so arm, dass ich mich kaum um mich selbst kümmern konnte, geschweige denn um andere. Aber wenn die Leute fragen werden: Wenn Sie so ungebildet, schwach und arm waren, warum waren Sie dann so arrogant? Darauf werde ich keine Antwort haben!“.
Das heißt, echte Bescheidenheit kann nicht befohlen, sondern nur angedeutet werden.
zwei lebende reine Vögel
Frage 2a.
In Bezug auf die Reinigungsprozedur sagt die Tora (14:4): „Dann soll der Kohen anordnen, dass man für denjenigen, der reinigt, zwei lebende reine Vögel, Zedernholz, Karmesinwolle und Ysop nimmt“.
Frage 2b. Was erklärt Raschi hier?
Antwort 2b. Raschi erklärt das Wort „rein“: „Dies will einem Missverständnis zuvorkommen, dass man unreines (unerlaubtes, treifes) Geflügel zum Opfern nimmt“ (vgl. B.T. Chullin 140a). Der Aussatz-Kranke wurde für Laschon hara (Verleumdung) bestraft, das heißt für das „Flüstern von Worten“. Deshalb werden für seine Läuterung Vögel benötigt, die ununterbrochen zwitschern, was einem Flüstern gleicht“ (B.T. Erechin 116b). Zunächst erklärt Raschi, dass nur koschere Vögel als Opfer für denjenigen verwendet werden dürfen, der von seinem Aussatz befreit wird. Im zweiten Teil erklärt Raschi, dass derjenige, der von seinem Aussatz befreit wird, mit Vögeln konfrontiert wird, die zwitschern und tschilpen, so wie er über alles und jeden geredet und geplappert hat. Raschi verwendet in seinem Kommentar „unreines Geflügel“, während der Pasuk von Vögeln spricht. Diese Änderung der Terminologie beruht auf der Tatsache, dass der Talmud (B.T. Chullin 139b) erklärt, dass das Wort tsippor „Vogel“ immer ein reines Tier bedeutet, während „Of“ (Hebräisch für Geflügel) sowohl einen reinen als auch einen unreinen Vogel bezeichnen kann. Deshalb kann Raschi nicht verstehen, warum die Tora nicht das Wort „Geflügel“ verwendet (das sowohl reine als auch treife Vögel bezeichnen kann). Das Wort „tsipporim“ bezieht sich immer auf reine Vögel. Der Zusatz „reine“ zu dem Wort tsipporim im Tora-Text ist daher überflüssig. Deshalb erklärt Raschi auch den Inhalt. Er erklärt, dass die Tora das Wort „Vögel“ verwendet, weil sie eine angemessene Sühne und Kappara (Wiedergutmachung) für Laschon hara sind. Das Geschnatter der Menschen ist dem Zwitschern der Vögel sehr ähnlich. Deshalb verwendet die Tora das Wort tsipporim (das selbst „zwitschern“ bedeutet) anstelle des Hebräischen Wortes „Of„ (Geflügel). Die beiden Erklärungen von Raschi sind also miteinander verbunden. Die Erkenntnis, dass das Wort „rein“ unreine Vögel ausschließt, bringt uns zu der Frage, warum die Tora das Wort tsipporim überhaupt verwendet. Die Tora verwendet das Wort tsipporim (von dem Wortstamm zwitschern), um deutlich zu machen, dass die Vögel für Verleumdung büßen.
Aussatz in Häusern
Frage 3a. Wie entsteht Aussatz in Häusern?
Antwort 3a. Nach Rabbiner S.R. Hirsch tritt Aussatz in Häusern auf, weil die Menschen denken, dass das Land ihnen gehört und die Häuser ihr Eigentum sind. Wenn man sich weigert, anderen zu helfen, leidet man unter der Sodomitischen Haltung: „Was mein ist, ist mein, und was dein ist, ist dein“ (Pirkej avot, Sprüche der Väter 5:13). Dies mag als vollkommene Gerechtigkeit erscheinen. Sie entspricht jedoch nicht der Realität, denn die strenge Gerechtigkeit muss durch die Liebe zum Mitmenschen gemildert werden.
Frage 3b. Warum stellt die Tora eine Verbindung zwischen Tzara’at in Häusern und Eretz Jisrael her?
Antwort 3b: Von dem Moment an, als wir das Heilige Land betraten und Privateigentum erwarben, waren wir anfällig für Habgier und Egoismus. Eine solche selbstsüchtige und egozentrische Person wird von G’tt gerichtet werden. Mit Aussatz-Flecken wird er gezwungen sein, zum Kohen zu kommen und zu sagen, dass es in seinem Haus Probleme gibt.
Frage 4a. „Wenn ihr in das Land Kena’an kommt, das Ich euch in Besitz gebe, und Ich gebe einem Haus in dem Land, das ihr besitzt, die Krankheit des Aussatzes, dann soll derjenige, dem das Haus gehört, kommen und dem Kohen folgendes sagen: ‚wie eine Krankheit zeigt sich mir das Haus'“ (14:34).
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Antwort 4b: Raschi erklärt hier: etwas wie eine Krankheit, denn obwohl er ein Gelehrter ist und weiß, dass es sich zweifelsohne um einen Aussatz-Fleck handelt, wird er nicht von vornherein entscheiden, indem er sagt: eine Krankheit hat sich mir gezeigt, sondern etwas wie eine Krankheit hat sich mir gezeigt (vgl. Nega’im 12:11).
Frage 4c. Warum darf niemand entscheiden, ob in seinem Haus ein Aussatz-Fleck ist?
Antwort 4c: Verschiedene Antworten sind möglich:
1. Denn es ist nicht die Aufgabe eines Laien (Ba’al Habajit, Eigentümer des Hauses), sondern nur die eines Kohen, eine solche halachische Qualifizierung des Aussatzes vorzunehmen. Es ist bekannt, dass, wenn ein Kohen ein Am ha’arets (Analphabet) ist und ein Talmid chacham (Gelehrter) in der Nähe ist, der Talmid chacham feststellen kann, dass es sich tatsächlich um eine aussätzige Stelle handelt. Aber dennoch müss die Kohen es verkünden.
2. Eine zweite Antwort könnte sein, dass man immer bescheiden sprechen sollte. Man kann davon überzeugt sein, dass es sich tatsächlich um einen tiefroten oder tiefgrünen Aussatz-Fleck handelt, aber man muss immer damit rechnen, dass man nicht immer richtig liegt. Unsere Weisen sagen in B.T. Berachot 4a, dass man sich angewöhnen sollte, „Ich weiß es nicht“ zu sagen.
Frage 4d. Warum spricht Raschi hier Musar?
Antwort 4d. Eines der Ziele in Raschis Kommentar ist es, den Toras-Schüler Derech Erets (Höflichkeit) zu lehren. In seinen Kommentaren zur Tora gibt Raschi selbst manchmal offen zu: „Ich weiß es nicht“, wenn er es wirklich nicht versteht. Wir sprechen hier von einem Talmid chacham (Gelehrte), der genau beurteilen kann, ob es sich tatsächlich um einen Aussatz-Fleck handelt. Dennoch ist Bescheidenheit angesagt.
Frage 4e. Warum sagt die Tora nur, dass man im Falle von Aussatz zu den Kohen gehen soll?
Antwort 4: Nur im Fall von Aussatz in Häusern sagt die Tora, dass man zum Kohen geht, um ihm zu sagen, was passiert ist, denn bei Aussatz an Kleidern oder am Körper kann man zum Kohen gehen, um ihn zu zeigen, und das Haus kann nicht mitgenommen werden, also muss man von „dem Kohen zeigen“ sprechen.
dahinter einen verborgenen Schatz entdecken
Frage 5. „Etwas wie ein aussätziger Fleck scheint mir in dem Haus zu sein“ (14:35). Man fragt sich, was dies bedeutet: „so etwas wie eine Aussatz-Plage“. Warum sagt der Betroffene nicht einfach, dass es sich um einen deutlichen, aussätzigen Fleck handelt?
Antwort 5. Für den Hausbesitzer, der rote oder grüne Flecken an seinen Wänden sieht, ist es wie eine Plage. Aber in Wirklichkeit ist dies G’ttes Art, ihn die verborgenen Schätze entdecken zu lassen, als er die Leprasteine abbauen muss und dahinter einen verborgenen Schatz entdeckt, den die ursprünglichen Bewohner dort hinterlassen haben.
Was bedeutet mibait ?
Frage 6a. Übersetzen Sie: „Und das Haus soll ringsum im Innern mibait abgehackt werden, und der Stoff, der abgehackt wird, soll außerhalb der Stadt an einen unreinen Ort geworfen werden“ (14:41).
Frage 6b. Was erklärt Raschi ?
Antwort 6b. Raschi sagt, dass mibait „von innen“ bedeutet. Das Wort bait wird in diesem Pasuk zweimal verwendet. Wir können es nicht zweimal auf die gleiche Weise übersetzen, denn dann würde es heißen: „und das Haus wird rundherum abgehackt werden“. Das könnte missverstanden werden als „man muss das Haus rundherum abhacken“. Das ist falsch, denn man muss nicht den Putz des ganzen Hauses abnehmen. Raschi erklärt, dass das Wort mibait „von innen“ und nicht „von dem Haus“ bedeutet. Der betroffene Hausbesitzer muss das Haus von innen um die Krankheit herum abhacken (d. h. er muss den Kalk um die Stelle herum abkratzen, an der sich die Steine befanden, die von der Krankheit befallen waren).
Frage 6c. Woher weiß Raschi mit Gewissheit, dass mibait „von innen“ bedeutet? Vielleicht bedeutet es einfach „des Hauses“?
Antwort 6c: Es gibt zwei Gründe, warum Raschi mit Gewissheit sagt, dass hier mit mibait „von innen“ gemeint ist:
1. Vergleichen Sie dies mit Bereschit 6:14, wo es heißt, dass die Arche Noah innen und außen mit Pech bestrichen werden sollte.
2. Außerdem steht im gesamten Kapitel 14 im Wajikra, wenn von dem betroffenen Haus die Rede ist, ein he hajedija – oder bestimmter Artikel – „das Haus“, abgesehen von hier. Hier wird es nicht mehabait, sondern einfach mibait geschrieben. Darum hat es eine andere Bedeutung.
