„Ihr sollt keines der Fette eines Ochsen, eines Schafes oder einer Ziege essen“ (7:23)
Unsere Chachamim (Weisen) thematisieren das scheinbar überflüssige Wort „jedes“ Fett. Was bedeutet dieses „jedes“? Jede Menge. Selbst ein klein Wenig Fett – weniger als eine Kesajit (Olivengröße) – ist verboten. Eine klare Stellungnahme bei Verbote im Bereich des Essens.
Alles oder nichts?
Aber wie steht es mit Geboten (z.B. Mazza essen am Sederabend) im Bereich Konsum? Stellen wir uns vor, dass man krank ist und nicht viel essen kann. In Kürze haben wir wieder Pessach. Kann man dann mit dem Verzehr einer kleinen Menge Mazzot am Sederabend die Pflicht der Erinnerung an die Sklaverei und Befreiung aus Ägypten erfüllen?
Erwecke keinen falschen Eindruck, dass Du eine Mitzwa machst!
Laut Rabbi Ja’akov Reischer (II:18) besteht überhaupt keine einzige Verpflichtung, ein Wenig Mazza zu essen. Alles oder nichts. Man muss eine komplette Mazza essen (beinahe 30 Gramm), sonst kann man das Ganze sein lassen. Erwecke keinen falschen Eindruck, dass Du eine Mitzwa machst!
teilweise Erfüllung der Mitzwa doch möglich
Aber Rabbi Chaim Asulai erklärt, dass man mit ein Wenig Mazza doch die teilweise Erfüllung der Mitzwa bewirken kann. Er begründet das wie folgt: wenn es schon so ist, dass man mit einem kleinen Bisschen einer verbotenen Materie ein Speiseverbot übertritt, dann erfüllt man doch mit einer geringen Menge Mazza sicherlich eine Mitzwa?
das Gute in der Welt ist stärker als das Böse
Rabbi Asulai ist ein Optimist, da er von der allgemeinen Jüdischen Regel ausgeht, dass das Gute in der Welt stärker ist als das Böse. Und wenn man wegen des Essens einer kleinen Menge Fett schon bestraft wird, dann ist es sicherlich doch so, dass man für ein klein Wenig Mitzwa belohnt wird.
Eine Mazza für 2 Leute
Frage: zwei Menschen haben auf Reisen nur EINE Mazza mitgenommen. Wäre es nun besser, dass jeder eine halbe Mazza essen würde oder dass der „Stärkere“ (der Eigentümer) die vollständige Mazza konsumiert und dem anderen nichts gibt?
Der Ikréj Diwréj Tahara meint, dass man die Mazza in zwei Teile brechen müsste, so dass jeder die Mitzwa ein Wenig erfüllen kann. Der Sdéj Chemed erläutert, dass es besser sei, dass EINER die Mitzwa in Gänze machen kann, als zwei nur halb. Der Eine soll also die Mazza zum Nachteil seines Reisebegleiters auf essen.
