Von: J.J. Rosenfeld
Ein weiter führender Gedanke.
Das sind zwei Sätze, die sich widersprechen und gegenseitig erhellen.
Der Kotzker Rebbe spricht aus der *Radikalität der Wahrheit:*
Ein gebrochenes Herz ist vollständig, weil es nichts mehr beschönigt.
Es kennt Scheitern, Zweifel, Schmerz
– und gerade dadurch Ehrlichkeit.
In dieser Sicht ist Vollständigkeit nicht Perfektion, sondern Wahrhaftigkeit.
Ein Herz, das gebrochen ist, steht offen vor HaSchem und vor sich selbst.
Der Izhbitzer Rebbe hingegen richtet den Blick auf die Gefahr der Selbstgewissheit:
Ein unversehrtes Herz ist das Zerbrochenste, weil es glaubt, ganz zu sein.
Es kennt keine innere Spannung, keine Fragen, keine Risse
– und ist damit verschlossen. Seine Unversehrtheit ist Illusion, vielleicht sogar Hochmut.
Gerade weil es sich heil wähnt, ist es innerlich am weitesten entfernt.
Zusammengenommen sagen sie etwas sehr Kühnes:
Der Kotzker:
_Ganzheit entsteht durch Bruch._
Der Izhbitzer:
_Zerbruch entsteht durch das Leugnen des Bruchs._
Oder noch zugespitzter:
Nicht der Schmerz zerstört den Menschen, sondern die Weigerung, ihn zuzulassen.
- Beide Rebbes bewegen sich um dieselbe Achse:
Emes – Wahrheit.
Der eine durch schonungslose Konfrontation, der andere durch das Misstrauen gegenüber innerer Ruhe.
